Der Fluglärm ist in Zell ein Dauerthema

Die Fluglärmorganisationen haben sich erstmals auf gemeinsame Forderungen geeinigt (Foto: Adobe)

Der Gemeinderat von Zell will, dass die Bewertung von Liegenschaften, die sich in den An- und Abflugschneisen
des Flughafens Zürich befinden, der stetig steigenden Lärmbelastung angepasst wird. Gemeindepräsident Martin Lüdin
begrüsst deshalb den vor kurzem erfolgten Schulterschluss aller Fluglärmorganisationen.

Der zunehmende Fluglärm, den die Starts und Landungen am Flughafen Zürich verursachen, ist für alle Gemeinden im Bereich der Start- und Landeschneisen ein grosses Problem. Bisher versuchte jede Organisation zum Schutz gegen den Fluglärm vor allem die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren, ohne gross auf die übrigen Fluglärmorganisationen Rücksicht zu nehmen. Seit letzter Woche ist dies anders: 13 Vereine oder Verbände gegen den Fluglärm  haben in einer gemeinsamen Medienmitteilung angekündigt, dass sie sich bei der Fluglärmbekämpfung auf drei gemeinsame Ziele, die sie verfolgen wollen, geeinigt haben:

  • Nachtruhe einhalten: Der Luftfahrtbetrieb ist so zu planen, dass die Nachtruhe zwischen 23 und 6 Uhr strikt eingehalten wird.
  • Lenkungswirksame Lärmgebühren erheben: In seinem Urteil vom
    Oktober 2013 fordert das Bundesverwaltungsgericht lenkungswirksame Lärmgebühren für startende und landende Flugzeuge. Damit soll erreicht werden, dass die Fluggesellschaften nur die notwendigsten Flüge spätabends und frühmorgens starten und landen lassen. Dabei sollen möglichst lärmarme Maschinen eingesetzt werden. Die vom Flughafen vorgeschlagene
    Gebührenordnung führt nicht zu diesem Ziel.
  • Den Fluglärm auf den bewilligten Rahmen reduzieren: Die heutige Lärmbelastung ist höher als das gültige Betriebsreglement erlaubt. Dies ist vor allem wegen der lauten, spätabends startenden Flüge so. Der rechtsgültige Zustand ist hier wiederherzustellen.

Diese Forderungen wurden einstimmig von allen 13 Fluglärmorganisationen verabschiedet.

Intervention beim kantonalen Steueramt

Der Gemeindepräsident von Zell, Martin Lüdin, bestätigt, dass der Fluglärm auch in Zell ein Dauerthema ist: «Wir sind in drei Fluglärmorganisationen Mitglied», sagt Lüdin, «Region Ost, Fluglärmsolidarität sowie im Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich.» Die Gemeinde Zell sei in zwei Sektoren vom Fluglärm betroffen, erklärt Lüdin, und zwar auf ganz unterschiedliche Weise: Zell, Langenhard und Rikon sind vor allem von den Abend- und Nachtlandeanflügen betroffen, während Kollbrunn von immer mehr Starts am Mittag und Nachmittag gestört wird. Deshalb hat der Gemeinderat Zell kürzlich wiederholt beim kantonalen Steueramt interveniert, damit die Lageklassenpläne im Zusammenhang mit der Liegenschaftenbewertung in jenen Zonen angepasst werden, die vom zunehmenden Fluglärm betroffen sind. «In diesen Schneisen sind die Landpreise mehr unter Druck als in Regionen, welche nicht vom Fluglärm betroffen sind. Dieser Umstand ist im kantonalen Lageklassenplan noch immer nicht berücksichtigt, obwohl sich dies ein gewichtiger Faktor bei der Festsetzung des Eigenmietwerts ist», sagt Lüdin.

Nachtflugverbot muss eingehalten werden

Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ), bestätigt, dass es sich bei den gemeinsamen Forderungen aller 13 Fluglärmorganisationen um eine Premiere handelt: «Die Regionen um den Flughafen haben teilweise unterschiedliche Interessen. Deshalb war es bisher einfach, diese gegeneinander auszuspielen. Die Entscheidungsträger konnten diese Situation ausnützen. Mit der Einigung auf drei Forderungen bekommen wir mehr politisches Gewicht».

Hardegger kritisiert, dass das zwischen 23 und 6 Uhr angesetzte Nachtflugverbot regelmässig verletzt wird: «Wir stellen fest, dass in der Reservefrist von 30 Minuten zwischen 23 und 23.30 Uhr, die eigentlich für Verspätungen vorgesehen ist, regelmässig Flüge eingeplant sind. Es geht also darum, besser zu planen und die 30 Minuten Reservezeit nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten». Hardegger fordert, dass nach 23 Uhr keine Zeit-Slots mehr vergeben
werden.

Damit Lärmgebühren etwas nützen, sollten diese, je später der Flug, desto höher angesetzt sein. Doch Hardegger stellt fest, dass dieses Prinzip ausgehebelt werden soll mit der geplanten Gebührenordnung: «Sogenannt ‹Hub-relevante› Fluggesellschaften sollen ihre Lärmgebühren zurückerstattet erhalten. Damit würde aber der Anreiz, Nachtflüge zu vermeiden und lärmarme Flugzeuge einzusetzen, zunichtegemacht». Entsprechende Einsprachen gegen die Gebührenordnung seien deshalb bei den Fluglärmorganisationen in Vorbereitung, kündigt Hardegger an.