Der exklusive Zwingliwurst-Lieferant

Georg Brunner darf mit dem Segen der reformierten Landeskirche den Namen Zwingliwurst exklusiv verwenden (Foto: md)

Der Name Zwingliwurst ist von der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich geschützt worden. Die Metzgerei Brunner in Turbenthal darf diesen Namen aber exklusiv für die von ihr hergestellten Würste verwenden.

Die Originalanleitung zur Herstellung der Zwingliwurst ist vom Metzger Frederico Liebermann in einem Rezeptbuch aus dem Jahr 1517 aufgezeichnet worden. Von dort fand das Rezept, 500 Jahre später, seinen Weg nach Turbenthal, genauer gesagt, in die Metzgerei Brunner. Der Vater von Barbara Brunner, alt Metzgermeister Walter Reif, machte nämlich das Rezeptbuch mit der Zwingliwurst in der Zentralbibliothek Zürich ausfindig. Die Metzgerei Brunner schlug vor, am Turbenthaler Kirchenfest Zwinglis Lieblingswurst gemäss Original-rezept anzubieten. So feierte die reformierte Kirche Turbenthal Mitte Mai das 500-Jahr-Jubiläum ihrer Kirche unter anderem mit der auserlesenen, von Hand produzierten Lieblingswurst des Zürcher Reformators.

Die Geschichte hat aber eine unerwartete Fortsetzung gefunden: Die Turbenthaler Synodalin Susanne Furrer erzählte an einer Sitzung der Kirchesynode in Zürich von der Zwingliwurst. Dies brachte einen Stein ins Rollen. Die Metzgerei Brunner wurde vom Beauftragten für das landeskirchliche Reformationsjubiläum Michael Mente angesprochen: So erfuhren Barbara und Georg Brunner, dass der Name Zwingliwurst von der reformierten Kirche Zürich im Hinblick auf das Reformationsjubiläum geschützt worden ist (siehe Box). Von Anfang an waren nämlich die Organisatoren des Reformationsjubiläums auf Kantonsebene bestrebt, das Jubiläum als sinnliches und gemeinschaftsbildendes Ereignis zu begehen. Deshalb wurden unter anderem ein Zwingli-Bier aus dem Toggenburg oder ein Zwingli-Wein aus dem Zürcher Weinland als offizielle Jubiläumsprodukte ausgewählt. Im Sortiment fehlte noch eine Wurst, denn was wäre die Reformation ohne das berühmte Wurstessen von 1522 gewesen? So kam die Turbenthaler Wurst wie gerufen.

Da die Metzgerei Brunner die Wurst auf der Basis des Originalrezepts herstellt, wurde man sich rasch einig: «Wir sind nach Zürich gefahren und haben eine Vereinbarung unterzeichnet. Jetzt sind wir Exklusivlieferant für Zwingliwürste», freut sich Inhaber Georg Brunner. Gegenwärtig produziert seine Metzgerei diese Würste zwei- bis dreimal in der Woche, insgesamt rund 60 bis 100 Stück wöchentlich. «Einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der Würste spenden wir für wohltätige kirchliche Zwecke», betont Brunner.

Die Idee mit der Reformatorenwurst sei eigentlich ein spontaner Einfall gewesen und er staune und freue sich, wie diese Idee unerwartet eine Eigendynamik entwickelt habe, sagt der Metzgermeister. Vor kurzem wurde auf Initiative des Zürcher Filmemachers Marcel Cavallo sogar ein Dokumentarfilm über die Zwingliwurst gedreht. Dieser erläutert die Idee, die Herstellung, den Verkauf sowie die historischen und theologischen Hintergründe. Wann und Wie der Film an die Öffentlichkeit kommt, soll im Laufe des Sommers entschieden werden.

NAMENSSCHUTZ
Weshalb hat die reformierte Kirche Zürich im Hinblick auf das Reformationsjubiläum gewisse Namen im Zusammenhang mit Zwingli schützen lassen? «Der Tößthaler» hat den Beauftragten für das landeskirchliche Reformationsjubiläum Michael Mente gefragt. Das Reformationsjubiläum sei nicht ein «Zwingli-Jubiläum». Das Jubiläum soll sich nicht nur um Personen, sondern um Botschaften und Ideen drehen. Es sei aber vorauszusehen gewesen, so Mente, dass Produkte mit dem Namen Zwingli auf den Markt gebracht würden. «Das ist nicht verboten, aber die Landeskirche respektive das Jubiläums-Projektteam will für ein massvolles Tun einstehen», erklärt Mente und ergänzt: «Wir haben mit dem Schutz des Namens etwas antizipiert, was nun geschieht und was wir gerne unterstützen, aber auch in sinnvolle Bahnen lenken wollen. Wir wollten ‹Sauglattismus›, Missbrauch und überbordendem Kommerz verhindern – man denke nur an die Produktefülle, für die Luther seinen Kopf und Namen hinhalten muss.» Die Metzgerei Brunner habe mit ihrer Initiative die Kriterien für eine Partnerschaft mit der reformierten Landeskirche Zürich erfüllt. «Wir freuen uns, dass mit der Zwingliwurst auch noch ein historisch-authentisches Rezept zum Einsatz kommt», resümiert Mente.