Der Charmebolzen mit dem Lausbubenlächeln

Michael von der Heide (Mitte) versteht es vorzüglich, sein Publikum mitzureissen. Daniel Gisler (links) und Martin Buess sorgen für den schwungvollen Soundtrack (Foto: gal)

Michael von der Heide und sein Programm «Hinderem Berg» stehen am Beginn des 40. Jubiläumsjahres des Kulturvereins Wila. Der Eichhaldesaal war am letzten Samstag voll. Etwa 150 Personen erlebten einen Chanson-Abend von höchster Qualität – mitreissend, charmant, nostalgisch.

Die Musiker intonieren die ersten Takte, Michael von der Heide tanzt mit Schwung auf die Bühne, das Publikum klatscht – der Abend ist temperamentvoll eröffnet. Rasant folgen Nummern und Hits aufeinander, dazwischen witzige und charmantes Geplauder des Chansonniers. Er versteht es vorzüglich, sein Publikum mitzureissen, mitklatschen zu lassen oder gar den Backgroundchor zu singen. Das klingt manchmal etwas zögerlich, doch dank Michael von der Heides Anfeuerungsgesten und Aufmunterungen klappt das gar nicht so schlecht. Nicht zuletzt dank den ausgezeichneten Musikern Martin Buess an den Saiten von Gitarre und Mandoline, und Daniel Gisler an den Tasten. Sie sorgen für den schwungvollen, rhythmischen und vollklingenden Soundtrack, zwischendurch gewürzt mit gekonnten Solis.

Paola, von der Heides grosse Liebe

Was wäre ein Abend mit Michael von der Heide ohne «Blue Bayou»? Schliesslich bekennt er, dass ihn Paola del Medico schon im zarten Alter bezaubert hat. Dass er nur sie oder keine heiraten wollte. Dass er, als er noch in Amden zwischen seinen Eltern vor dem Fernseher sass, wusste: «Ich will auch so singen wie Paola». Was er ja heute – abgesehen von der Stimmlage – geschafft hat. Auf der Bühne erzählt er, wie seine Welt zusammen gebrochen ist, als sie den Kurt Felix geheiratet hat. Und dann singt er «Blue Bayou» und «Paola et moi».

Dass er dabei nicht stehen geblieben ist, zeigt sein enormes Repertoire. Neben zahlreichen eigenen Chansons sind da Referenzen an France Gall, Michel Polnareff oder auch Margrit Rainer, deren Lieder er überzeugend vorträgt. Von der Heide jodelt, schmachtet ins Mikrofon, tanzt, reisst Arme und Beine hoch, kokettiert, flirtet und scherzt mit dem Publikum. Kurz, er ist ein begnadeter Entertainer. Neckisch weht seine Locke im Gebläse der Windmaschine über seiner Stirn, charmant plaudert er zwischen den Songs über seinen Werdegang. Lustig ist seine Introduktion zum Chanson «Jeunesse», zu dem ihn ein Mädchen fragte: «Singst Du auf deiner Tösstaler Tournee auch das Lied vom ‹schön Essen›?»

Schmissiger Beginn, besinnliches Ende

Bei aller aufgeräumten Stimmung, in den meisten seiner Songs schwingt eine leichte Melancholie mit. Michael von der Heide singt von der ersten Liebe, von der verlorenen Jugend, von der Heimat hinter den Bergen, von Sehnsucht, Frühling und Warten neben einem Gleis, auch widmet er Oerlikon ein Liebeslied. Er wechselt zwischen Deutsch und einem wunderbaren Französisch. Er bewegt sich nahe am Kitsch und bricht ihn mit seinen frechen und leicht anzüglichen Sprüchen sofort wieder. Und zum Schluss besingt er a cappella den schönsten Abendstern. Ein beglückender Abend, der schmissig begann und besinnlich still endete.