Der Bestatter bereitet die Verstorbenen für die letzte Reise vor

Jean-Louis Parel brachte tabufrei und spannend Facetten der Bestattung näher (Foto: rg)

Am Montagmorgen lud die reformierte Kirchgemeinde Wildberg zum monatlichen Mäntigsträff ein. Der langjährige Bestatter in Uster, Jean-Louis Parel, erzählte vor gut gefüllten Stuhlreihen sensibel und unkompliziert von seinem Beruf.

Lotti Häringer, die das Publikum begrüsste, verwies auf die Hemmschwelle im Umgang mit dem Tod. Auf ihre persönliche Einladung hin hätten Angesprochene mitunter auch gesagt, das sei noch kein Thema für sie. Dabei kann man gerade dem Tod nicht entweichen, er holt alle einmal ein. Da ist ein solides Wissen eigentlich ganz nützlich. Und Bestatter Jean-Louis Parel flocht in sein packendes Referat die Worte ein: «Für mich ist es der schönste Beruf, den ich je hatte.» Die ZuhörerInnen nahmen ihm das ab, denn während seiner Ausführungen spürte man die Empathie, die der gebürtige Neuenburger seiner Kundschaft entgegengebracht hat.

Parel war schon seit vielen Jahren im Kanton Zürich tätig, als er eher zufällig zum Beruf Bestatter kam. Vor über 15 Jahren wollte er sich beruflich neu orientieren. Genau da suchte die Stadt Uster einen Bestattungsangestellten. So startete er eine neue berufliche Karriere, bildete sich zum Bestatter aus und trat diesem Berufsverband bei. Nach seiner Pensionierung im letzten Jahr engagiert er sich immer noch als Prüfungsexperte, wird aber im Herbst einen Schlussstrich ziehen.

Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen

«Der Bestattungsbereich ist im Wandel der Zeit», führte der Referent aus. Man begegne den Toten und den Angehörigen mit mehr Sensibilität und gehe auf die veränderten Wünsche ein. Zudem rufen die in der Schweiz anzutreffenden verschiedenen Kulturen nach dem Wissen, wie im Todesfall mit den «fremden» Ritualen umgegangen werden muss. Nach einer Grundausbildung und dem Erwerb des Eidgenössischen Fachausweises sind regelmässige Weiterbildungskurse angezeigt. «Ein Bestatter ist der Anwalt des Stillgewordenen und die Vertrauensperson der Trauernden», gab er zu bedenken. Das Bestattungswesen ist in der Schweiz nicht einheitlich organisiert, es unterscheidet sich zwischen den privaten Bestattern in der Süd- und Westschweiz sowie den Bestattungsämtern in der übrigen Schweiz. Im Kanton Zürich sind die Bestattungsämter der Gemeinde für die Organisation von Bestattungen zuständig. Somit ist es abhängig von der Ansprechperson auf der Gemeinde, ob eine Beratung zufriedenstellend abläuft.

Anhand von Bildern zeigte Parel auf, was man falsch machen kann, wenn man Tote in den Sarg bettet. Liegen sie in einem zu schmalen Sarg, sind sie für Hinterbliebene schmerzhaft anzuschauen. Der Referent rief in diesem Zusammenhang den Artikel 7 der Bundesverfassung in Erinnerung, der da heisst: «Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen». Ein fachkundiger Bestatter garantiere den Angehörigen einen überraschungsfreien Abschied, sowohl im Totenbett wie bei der Aufbahrung. Zudem sei es wichtig, dass der Mensch berührt werden könne. «Begreifen durch greifen», verdeutlichte der Bestatter und fügte an, dass Verstorbene nicht ansteckend seien.

Wenn immer möglich sei zu empfehlen, Angehörige bei der Grundpflege und den Vorbereitungen für die Aufbahrung einzubeziehen. Selbst Kinder können sich durch die kreative Gestaltung des Sargdeckels ganz bewusst von einer ihnen lieben Person verabschieden. Oder das Einölen des verstorbenen Babys gebe den Eltern die nötige Zeit dafür, das Unbegreifliche besser zu erfassen. Auf jeden Fall sollte die Aufbahrung würdevoll geschehen und der Sarg in einem gekühlten Katafalk (schwarz verhängtes Gerüst, auf dem der Sarg während der Trauerfeier steht) platziert werden. Zudem sollte, so möglich, die Besucherseite durch eine angenehme Temperatur den Trauernden den Abschied erleichtern. Das sei so wichtig wie der persönliche Schlüssel, um zu den Stillgewordenen einen uneingeschränkten Zutritt zu haben. Auch im Falle eines schwierigen Todesfalles durch Unfall oder Suizid sollte das Abschiednehmen gewährleistet sein, indem man die Toten gänzlich zudeckt, wodurch es möglich wird, doch noch am Sarg Abschied zu nehmen.

Zu Lebzeiten an den Tod denken

Parel gab zu bedenken, dass das Ausfüllen einer Letztwilligen Verfügung zu Lebzeiten die Organisation einer Bestattung den Angehörigen und den Behörden beim Bestattungsamt massiv erleichtert (vorgedruckte Formulare sind bei vielen Gemeinden erhältlich). Auch Patientenverfügungen (erhältlich zum Beispiel bei Pro Senectute) erleichtern Angehörigen und Pflegefachpersonal die Entscheidungen. Die Patientenverfügung regelt aber alles vor dem Tod und soll nicht mit der Letztwilligen Verfügung verwechselt werden. Heute gibt es neben der Erdbestattung und der Urnenbeisetzung auch noch Alternativen wie das Ausstreuen der Asche in der Natur. Oder diese auf einem Waldfriedhof bei einer Tanne quasi wieder zurück zu den Wurzeln zu geben. Wer der Nachwelt etwas Gutes tun will, übergibt den Körper an das anatomische Institut der Universität Zürich zwecks Forschung oder erlaubt die Organentnahme. Das alles ist für Angehörige einfacher zu bestimmen, wenn bereits etwas schriftlich festgehalten ist. Wichtig zu wissen ist, dass jede Gemeinde über eine Bestattungs- und Friedhofsverordnung verfügt. Darin sind die Abläufe minutiös geregelt.

Jean-Louis Parel’s Ausführungen beeindruckten tief. Gegen Ende seiner Ausführungen richtete er noch einen Wunsch an die Kirchen allgemein. So wie sich die Bestatter dem Wandel der Zeit anpassen müssen, wäre es schön, wenn sich die Kirche für die speziellen Todesfälle etwas einfallen liesse. Damit meinte er zum Beispiel eine Form des Abschiednehmens für Menschen, die völlig isoliert gelebt hätten. Vielleicht sei es möglich, sich hier ein Ritual auszudenken, bei dem Freiwillige aus der Gemeinde mitwirken. Für ihn sei es stets schwer gewesen, ganz alleine die Urne eines Alleinstehenden einem Grab zu übergeben.

Bei dieser Aussage spürte man ganz deutlich: Jean Parel war nicht nur «ein Bestatter», nein, er sah sich als Anwalt der Verstorbenen, wie er im Verlaufe der Ausführungen einmal sagte. Die Kirchgemeindepräsidentin Monique Blattmann forderte schliesslich dazu auf, Fragen zu stellen. Dies wurde rege genutzt, doch weil der Zeiger der Uhr gegen Mittag hin rückte, musste ein spannender Morgen schliesslich sein Ende finden.