Denn sie reden nicht, sie tun 

 

In den letzten Monaten musste ich wieder schmerzlich erfahren, wieviel geredet und wie wenig getan wird. Komplizierte Vorgänge mit viel Administration, viel Analyse und wissenschaftlich fundierten Berichten werden gefordert als Grundlage, überhaupt etwas tun zu wollen oder zu können. Totale Überregulierung, Vorschriften und Vorgaben hemmen jegliche Innovation und Aktivität. Zu Viele profitieren von dieser Entwicklung, diesem aufgeblasenen System, politisch, wirtschaftlich oder persönlich. Es gibt sogar Spezialisten, die gezielt die Wenigen suchen, die dennoch die Bereitschaft haben, einfach der Sache wegen, uneigennützig anzupacken. Man will sie für sich, zum Beispiel seine politischen Ziele, einspannen, an die Front schicken und ihr hohes Mass an praktischer Umsetzung benutzen, sogar ausnützen und daraus Profit schlagen. Häufig sind diese Exemplare auch in Vereinen zu finden. Sie setzen sich übermässig für die Sache ein, manchmal über Jahrzehnte ist das Schaffen in einer Interessensgemeinschaft ein Teil ihres Lebens. Ohne diese Macher, die oftmals die Stützpfeiler sind, würde jegliche Spontanität und Aktivität verloren gehen. 

Ich beobachte, dass sie seltener werden, die wertvollen, praktischen Zupacker, die den Aufwand nicht scheuen, Idealisten, die an die gute Sache glauben und sich dafür einsetzen. Vielleicht werden sie bald ausgestopft und ins Museum gestellt. Nein, Spass beiseite, ich erlebe es oft, dass idealistische Menschen, die der Sache über lange Jahre dienten, verbittert und enttäuscht ihr Tun aufgeben und sich beklagen, nicht geschätzt worden zu sein. Es entstehen schmerzliche Lücken, die nicht selten zur Auflösung von Vereinen führen. Auch ich selber muss immer noch lernen, abzuwägen, wo ich mich sinnvoll einsetzen will und wo ich missbraucht werden sollte. Allzu schnell lasse ich mich für eine gute Sache einspannen, ohne sofort zu merken, dass mein Engagement dazu dienen soll, jemandem eine Krone aufzusetzen. Deshalb beginne ich mein praktisches Anpacken zu hinterfragen, zögere, frage mich, was es bringt und wer davon profitiert. Gerade auch in der Politik erlebte ich diese Machtspiele in hohem Masse. Und da sind wir nun beim Punkt angelangt, Antworten darauf zu finden, warum immer weniger dazu bereit sind, sich uneigennützig für eine Sache einzusetzen.

Aber ich kann Ihnen Hoffnung machen, liebe LeserInnen. Es gibt sie noch, die Idealisten und es freut mich sehr, dass auch junge Leute bereit sind, für ihre Überzeugung anzupacken. Es ist nur wenige Tage her, da hielt ein junger Rennvelofahrer an unserem Zaun an und machte meinen Mann sehr höflich auf Neophyten in unserer Wiese aufmerksam. Viele wüssten nicht, dass das Berufskraut eine invasive Pflanze sei und bekämpft werden müsse. Der junge Mann konnte nicht wissen, dass wir eben gerade diese Exemplare für einen Pflanzen-Workshop am vergangenen Wochenende stehen liessen und noch nicht dazu gekommen sind, sie auszureissen. Unsere grosse Umgebung um unser Wohnhaus ist mittlerweile einem kleinen Amphibien- und Reptilienparadies gewichen, welches aber sehr pflegeintensiv ist. Viele stehen mit guten Ratschlägen oder besserem Wissen zur Verfügung, aber nur ganz wenige bieten sich an, zu helfen. Mein Mann begegnete deshalb dem jungen Mann sarkastisch, er dürfe gerne von seinem Rad steigen und die ungeliebten Pflanzen ausreissen. Tatsächlich stieg der Mann vom Rad, zog seine Schuhe aus und machte sich barfuss zwischen den Brennnesseln ans Werk. Er stieg sogar den Abhang hoch und machte noch einigen Goldruten den Garaus. Anschliessend setzte er sich an unseren Küchentisch um das Gewitter abzuwarten. Bei einem guten Gespräch erfuhren wir, dass er Neophytenbeauftragter einer Gemeinde im oberen Tösstal sei und es ihm um die Sache gehe.

Ein beeindruckendes Meisterstück, das meinen grossen Respekt erhält. Nicht belehrend, nicht fordernd und nicht missbrauchend, einfach etwas TUN aus Überzeugung! Es gibt sie noch, tragt bitte Sorge zu diesen unverzichtbaren Machern.