Das Unerwartete in der eigenen Umgebung entdecken

Im ersten Teil des Ausflugs geht es um Fels und Wasser )Fotos: Lorenz Nydegger)

Eine «theatrale Wanderfahrt» von der Quelle der Töss bis zu ihrer Mündung in den Rhein verspricht der Verein Geschichtentransport aus Rikon. Auf einem Tagesausflug entlang des Flusses wird Landschaft und Kultur des Tösstals theatral vermittelt. Die Ausflüge finden Ende Mai und Mitte Juni statt.

«Ich bin überrascht, wieviel Stoff für Geschichten das Tösstal hergibt», sagt Lorenz Nydegger, der mit seiner Frau Andrea Kohler das Projekt «Tossa – eine theatrale Wanderfahrt entlang der Töss» aufgezogen hat. «Wir waren zusammen während Jahren in der ganzen Welt unterwegs und haben viele lokale Geschichten mitbekommen» erzählt Nydegger weiter. Der gebürtige Thuner kam 1995 nach Rikon, um im Circolino Pipistrello mitzuwirken. Unterdessen ist er mit seiner Familie im Tösstal heimisch geworden. Auf Wanderungen, Ausflügen und Besuchen hat er das Tal und seine Menschen kennengelernt: «Irgendwann fand ich es schade, dass wir all dieses Wissen über Landschaft und Menschen im Tösstal nicht nutzen konnten, um Geschichten zu erzählen und zu spielen.»

Auftakt am Tössstock

Daraus ist die Idee einer Wanderfahrt entlang der Töss entstanden. Sie beginnt im Quellgebiet beim Tössstock und führt zu Fuss und im Car über verschiedene Stationen bis zur Töss-egg, wo der Fluss in den Rhein mündet. «Wir haben uns sehr bewusst für die gesamte Töss entschieden, weil für uns der Unterschied zwischen dem zerklüfteten oberen Teil des Tals und der lieblichen Landschaft mit Weinbergen im unteren Teil frappant ist», sagt Nydegger. Aufzuzeigen, weshalb es solche Unterschiede gibt, ist eines der Ziele des Projekts Tossa. Für ihn bieten die Landschaft, die alten Fabriken und Kanäle oder die umgenutzten Industrieanlagen zahlreiche Ansatzpunkte für Geschichten, die man auf einer Wanderung entlang der Töss erzählen kann. «Wir haben viele Informationen gesammelt, mussten uns dann aber auf eine Auswahl konzentrieren», lässt Nydegger durchblicken.

Die erste Station der Tossa-Tour ist bei Wolfsgrueb oberhalb von Wald, wo der Blick bis zum Zürichsee und den Alpen reicht. Hier erfahren die Teilnehmenden, wie die schroffe Tössberglandschaft, die vielen Höhlen und Wasserfälle entstanden sind. 

Vier Figuren, vier Erzählstile

Der weitere Ausflug ist in vier Schwerpunkte gegliedert: Bis nach Steg stehen Wasser, Fels, Pflanzen und Tiere im Vordergrund. Auf der Carfahrt von Steg nach Rikon wird erzählt, wie die ersten Industriebetriebe und Kanäle entstanden sind und warum die Töss bei Wila oft ausgetrocknet ist. Am Standort des Circolino Pipistrello auf dem Schöntal-Areal in Rikon wird ein Mittagessen mit regionalen Produkten serviert. Anschliessend erhält die Reisegruppe auf einem Rundgang durch das ehemalige Spinnereigelände einen Einblick in die Industrialisierung des Tösstals. Bei einem Spaziergang entlang des Gewerbekanals erreicht die Gruppe Kollbrunn. Danach folgt eine Carfahrt nach Teufen und ein Spaziergang zur Tössegg, wo sich die Töss im Rhein verliert.

Für den Ausflug entlang der Töss, den Nydegger und Kohler erarbeitet haben, wählten sie bewusst die theatrale Form, weil diese viele Möglichkeiten der Darstellung und des Erzählens bietet. «Auf der Wanderfahrt werden die Teilnehmenden von vier gespielten Reiseleitern begleitet. Jede dieser Figuren hat ihren besonderen Charakter und ihren eigenen Stil, Wissen und Geschichten zu vermitteln», erläutert Nydegger. Die Reiseleiterin «Gerda Ramseier», gespielt von Kohler, sei die «Tätschmeisterin», sagt Nydegger. Sie kümmere sich um die organisatorischen Belange und das Wohlergehen der Teilnehmenden. Der «Sanitärinstallateur Peter Wootli» wird von Nydegger gespielt und ist zuständig für den Unterhalt der Brunnen an der Töss. Er ist der Wasserspezialist und wolle möglichst viel erklären. Zum Reiseleiterteam gehören auch der Car-Chauffeur «Max Zügig», der sich in den Tösstaler Sagen auskennt, die sich um bestimmte Orte ranken. Die vierte im Reiseleiterquartett ist die Biologin «Birgit Knopf», die viel zu erzählen weiss über die Flora des Tösstals. «So ist es für uns möglich, Geschichten auch in Dialogen zu erzählen», betont Nydegger.

Neue Form der Geschichtsvermittlung

«Die Kombination von Geschichtsvermittlung, Car- und Wanderfahrt ist etwas Neues.», hebt Nydegger hervor. Wenn das Angebot auf gute Resonanz stosse, dann werde es bestimmt eine Fortsetzung geben. Bis zu den Sommerferien sind vier Tossa-Ausflüge geplant, am 26. und 27. Mai sowie am 16. und 17. Juni. «Mit dieser theatralen Wanderung wollen wir Geschichte und Geschichten rund um Mensch, Natur und Kultur vermitteln, aber gleichzeitig die Vergangenheit nicht romantisieren», stellt Nydegger klar, denn jede Veränderung habe bekanntlich zwei Seiten. Nach eineinhalb Jahren Vorbereitung geht der Verein Geschichtentransport mit ihrem neuartigen Erzählkonzept der Première entgegen. Die Generalprobe, die vor kurzem mit rund 30 Personen stattgefunden hat löste bereits ein gutes Echo aus.

WEITERE INFORMATIONEN
«Tossa – eine theatrale Wanderfahrt entlang der Töss»

Veranstaltungsdaten: 26. / 27. Mai und 16. / 17. Juni 2018
Dauer: 9 bis 18 Uhr, davon 4 Stunden reine Wanderzeit
Platzbeschränkung: maximal 30 Personen
Treffpunkt: Bahnhof Wald

tossa@geschichtentransport.ch
www.geschichtentransport.ch