Das Tösstal und die Digitalisierung

Das Provisorium, welches die Swisscom errichtet hatte, in Widen bei Bauma (Foto: zVg)

In gewissen Regionen im Tösstal ist die Internetverbindung nicht die Beste. Aus diesem Grund arbeiten die Gemeinden Wila, Bauma und Turbenthal an neuen Lösungen, um künftig eine bessere Internetverbindung zu gewährleisten.

Die Volksinitiative «Glasfasernetz für den Kanton Zürich» fordert flächendeckend ein Glasfasernetzwerk für den ganzen Kanton. Die Swisscom verfolgt das Ziel, bis 2020 80 Prozent aller Haushalte mit mindestens 80 Megabyte auszustatten, und das bisherige Festnetz wird von der Internet-Telefonie verdrängt. Ja, die Digitalisierung ist in grossem Tempo auf dem Vormarsch. Vom Zahlungsverkehr, über die Kommunikation, bis hin zur heutigen Selbstwahrnehmung, die Digitalisierung hat das Leben der Menschen innerhalb von wenigen Jahrzehnten so einschneidend transformiert, wie nur wenige historische Umbrüche zuvor. Wer kein Internet hat, der ist in der heutigen Arbeitswelt – einmal von wenigen Branchen abgesehen – verloren. Wie sieht es eigentlich im Tösstal aus mit der Internetqualität? Der Wilemer Werkvorstand, Sacha Huber, sagt, dass laut den Rückmeldungen der Bevölkerung die Telekommunikationsinfrastruktur in weiten Teilen von Wila, Bauma und Turbenthal «in die Jahre gekommen» und der Handlungsbedarf eminent sei. Deshalb sei man seit 2016 auf der Suche nach neuen Lösungen, um sich der Digitalisierung und ihren Herausforderungen im Tösstal zu stellen. Obgleich in Wila selber, wie Huber schildert, die Qualität der Leitungen sowie die Internetgeschwindigkeit durchaus im Rahmen der von der Swisscom angestrebten 80 Megabyte liegt und auch die Cablecom ein sehr gutes Netz anbietet, gebe es noch immer Gebiete, so beispielsweise das Steinenbachthal oder Steinen bei Wila, die eine sehr schlechte Leitungsqualität und mangelnde Alternativen aufweisen.

Zwei Optionen kommen in Frage 

Zurzeit werden zwei Grobkonzepte ausgearbeitet, um die Tösstaler Gemeinden für das digitale Zeitalter auf Vordermann zu bringen. Huber erläutert, dass die Gemeinden Wila, Bauma und Turbenthal seit 2016 im Gespräch mit der Swisscom stehen. Für Wila liegt bereits ein Grobkonzept des Marktführers für die Gebiete mit mangelnder Leitungsqualität und einer entsprechend eingeschränkten Internetgeschwindigkeit vor. Laut der Swisscom ist das Gemeindegebiet von Wila bereits heute gut bis sehr gut erschlossen und die angepeilten Massstäbe, welche der Telekomkonzern sich bis 2021 gesetzt hat, seien soweit erfüllt.

Für Huber ist in diversen Aussenwachten eine Leitungserweiterung allerdings trotzdem notwendig. Aus diesem Grund hat das Wilemer Gemeinderatsmitglied einen Netzplan und ein Grobkonzept von der Swiss-com verlangt. Diesbezüglich gab es Ende August in Wila bereits eine Informationsveranstaltung, an welcher der Werkvorstand von Turbenthal, Erich Pfäffli, ein Vertreter der Swiss-com und als aktiver Gast Hans Rudolf Spörri, der Vorsteher der Werke in Bauma, anwesend waren. Neben dem Ex-Monopolisten ist man in Wila ebenso mit dem Elektrizitätswerk Thurgau (EKT) und dem Elektrizitätswerk Zürich im Gespräch. Gemäss Huber ist es notwendig, um einen Skaleneffekt zu realisieren, dass nicht nur die betroffenen Stellen in Wila angeschaut werden, sondern auch die Gebiete von Bauma, Turbenthal und Fischingen. Vom EKT wird bis Ende Jahr ein Grobkonzept für das Gebiet östlich der Töss, von Bauma, Wila (inklusive Fischingen) und Turbenthal vorliegen, sagt der Wilemer Werkvorstand.

Geplant ist, dass die Werkvorstände der drei Gemeinden im Winter die Grobkonzepte der Swisscom und des Elektrizitätswerkes im Detail prüfen und vergleichen. Eine entscheidende Frage bei der Prüfung der Konzepte wird die Erschliessungsvariante sein. Die Swisscom setzt auf die Variante «Fiber to the Street» (FTTS), das Elektrizitätswerk auf «Fiber to the Home» (FTTH). Konkret handelt es sich bei beiden Optionen um Glasfaserverbindungen, der Hauptunterschied ist allerdings, dass beim FTTS-Anschluss die letzte Meile über ein Kupferkabel und nicht über Glasfaser erschlossen wird. Diesen Anschluss via Kupferkabel kritisieren die Initianten der Initiative «Glasfasernetz für den Kanton Zürich». So würde die Swisscom, obgleich die letzte Meile via Kupferkabel erschlossen würde, von einer Glasfasernetzwerkverbindung sprechen, beklagen die Initianten.

Auch Sacha Huber äussert sich kritisch dazu. Ein qualitatives Kupferkabel sei sowohl von der technischen Bandbreite wie auch aus KostenNutzen-Sicht mehr als vertretbar und in Ordnung, allerdings findet es das Gemeinderatsmitglied von Wila planlos, wenn beispielsweise die Strasse in den meisten Fällen ohnehin aufgerissen würde, teure Kabel in den Boden verlegt werden und anschliessend über altes Kupfer mittels einer Freilandleitung fein erschlossen würden. So sei es beispielsweise im Grobkonzept der Swisscom in Steinen angedacht. Ziel müsste es laut Huber sein, den Flaschenhals bei einer Erschliessung so gering wie möglich zu halten und eine gute Qualität der Infrastruktur durch gezieltes planen, zum Beispiel durch die frühzeitige Verlegung von Leerrohren, zu garantieren. Wichtig sei, nicht nur die Beeinträchtigung der Bevölkerung im Gebiet so gering wie möglich zu halten, sondern auch anbieterunabhängiger zu werden.

Bauma und die Swisscom

Die Grobkonzepte, welche die Swiss-com zurzeit für Bauma und Turbenthal erstellt, sind noch in Bearbeitung. Robert Sturzenegger, der Abteilungsleiter des Ressorts Tiefbau- und Werke in Bauma, bestätigte, dass man mit der Swisscom im Gespräch stehe, jedoch sei es noch unsicher, wann das Konzept vorliege und diskutiert würde.

In Bauma ist gerade die Peripherie schlecht erschlossen. In Widen bei Bauma wurde vor wenigen Wochen eine Leitung ersetzt, die zuvor seit mehr als zwei Jahren als Provisorium gedient hatte. Das Kabel liess die Swisscom lose herumliegen. Bereits als das Provisorium eingerichtet wurde, hatten gewisse Bewohner für circa eine Woche keine Verbindung mehr. Als das provisorische Kabel nun vor kurzem ersetzt und neu verlegt wurde, war die Internetverbindung für einzelne Bewohnerinnen und Bewohner mehrere Tage lang unterbrochen. Ein Bewohner erklärte, dass man einzelne Kabel zu Beginn vereinzelt falsch ersetzt hatte, sodass Telefonnummern vertauscht wurden und bei Anrufen plötzlich nicht mehr der destinierte Empfänger, sondern der Nachbar am Telefon war.

Von diesen Schwierigkeiten weiss auch der Gemeindepräsident von Bauma, Andreas Sudler. Er sagte, dass in Bauma an gewissen Stellen die Internetverbindung fragil sei. Im Dorf selber sei sie zwar relativ gut, ausserhalb sehe es aber schlechter aus. Der Gemeindepräsident betonte ebenso, dass die erwähnten Tösstaler Gemeinden, die nach neuen Mitteln und Wegen suchen, um den digitalen Herausforderungen gewachsen zu sein, durch die Swisscom zu wenig koordiniert, informiert und betreut würden.