Das «Sunnebad»: Wiederbelebung einer Oase

Rudolf Ott hat das «Sunnebad» in Sternenberg 2014 gekauft und sanft renovieren lassen (Foto: pa)

Lange war die Zukunft des «Sunnebad», des alten Bad- und Kurhotels im Sternenberg, ungewiss. Jetzt ist ein einheimischer Unternehmer daran, das Sternenberger Schmuckstück zu neuem Leben zu erwecken.

Hoch oben nahe dem Dorf Sternenberg thront das ehemalige Kur- und Badehotel Sunnebad auf einer Kuppe. Das 1848 erbaute Bad verlor mit der Zeit seine Bedeutung. Die Badeanlagen blieben ungenutzt und wurden schliesslich ausgebaut. 1967 wurde es von der Chrischona-Gemeinde übernommen und als Seminar- und Erholungshaus für die Gemeindemitglieder genutzt.
Dabei wurde es stark umgebaut. Als schliesslich auch noch das Restaurant nicht mehr öffentlich war, ging die Beziehung zwischen dem Dorf und dem Haus verloren. Doch für die Chrischona-Gemeinde wurde das Haus zu gross. Sie versuchte es zu verpachten. Eine Wiederbelebung im Jahr 2010 als Restaurant und Hotel scheiterte schon nach wenigen
Monaten. Nun wollte die Chrischona-Gemeinde den ganzen Komplex verkaufen.

Eine Kindheitserinnerung retten

Verschiedene Interessenten meldeten sich. Zuerst wollte die Di Gallo- Gruppe ein Zentrum für schwere Pflegefälle einrichten; dies hätte bedeutet, dass das alte Hotel der Öffentlichkeit endgültig entzogen worden wäre. Das Gelände hätte eingezäunt werden müssen. Davon wollten die Sternenberger nichts wissen und wehrten sich. Auch Pfarrer Sieber soll sich für das Haus interessiert haben. Ein Heim für schwierige Jugendliche hätte es werden sollen. Doch auch das kam nicht zustande.

Weil das Haus also immer noch leer war, begann sich der Pfäffiker Unternehmer Rudolf Ott für das alte Kurhaus zu interessieren. Er sei in der Manzenhueb aufgewachsen in Sichtdistanz zum «Sunnebad». Diesesgehörte zu seinen Jugenderinnerungen. «Es tat mir einfach weh, dieses wunderschöne Haus leerstehen zu sehen», erklärte er an einer Informationsveranstaltung. 2014 hat er schliesslich das «Sunnebad» gekauft. Die Renovation – sie soll möglichst sanft geschehen – konnte er aber nicht sogleich an die Hand nehmen. Zum einen liess ihm seine Firma in Pfäffikon zu wenig Zeit dazu und zum andern kommt Ott nicht aus dem Gastgewerbe. Es fehlten Konzept und Partner, um die Sache planmässig anzugehen.

Das änderte sich, als er auf Oliver Künzli traf, der kürzlich die Pacht des renommierten Puurehof in Wer-
matswil aufgegeben hatte. Dieser begann sich nach einem kurzen Abstecher in die Stadt – «Die Stadt ist nicht mein Ding» – für das «Sunnebad» zu interessieren. Er entschied sich, in diesem Projekt den Gastrobetrieb und vor allem auch die Küche zu übernehmen. «Der Gastrobetrieb ist ein knallhartes Geschäft, aber ich liebe diese Arbeit». So engagiert sich Künzli im Projekt Sunnebad und wird im Sommer nach den Eröffnung den Gastrobetrieb führen.

Bildung, Begegnung, Erholung

Rudolf Ott und Oliver Künzli strahlen viel Optimismus und Zuversicht aus. «Eine Goldgrube wird das nicht», dessen ist sich Ott bewusst. Es werde schwierig, das Haus zu betreiben. Mit 25 Zimmern ist das Haus sehr gross und viel Komfort lässt sich nicht anbieten. Die meisten Zimmer verfügen nicht über Dusche und Bad. Ein solcher Einbau würde einen grossen Eingriff in die Bausubstanz erfordern und wäre schlicht zu teuer.

Für den Betrieb orientiert sich Ott deshalb an der Idee eines Hauses der Stille, wie das «Sunnebad» einmal genannt wurde. Es soll ein Haus der Entschleunigung werden. Ein Ort, an welchem Menschen innehalten und sich von der Hektik des Alltags zurückziehen können. Bildung, Begegnung und Erholung: auf diese drei Pfeiler stellt er die Zukunft des Betriebs. Dass er dabei das christliche Element der Besinnung betont, macht seine persönliche Vision des neuen «Sunnebad» aus: christlich nicht im Sinn einer Mission, aber als klare Haltung Menschen und Natur gegenüber.

Dazu kommt eine gute Küche. Als Wirt will Oliver Künzli eng mit lokalen und regionalen Produzenten zusammenarbeiten. Auch einfache Gerichte sind auf der Speisekarte vorgesehen, aber auch von bester Qualität. Es soll nicht ein Gourmettempel werden. Der Gast soll sich im «Sunnebad» wohlfühlen; das ist oberstes Prinzip.

Den Sternenbergern gefällt’s

Die Zuversicht von Rudolf Ott bestätigt sich an diesem Informationsabend vor allem auch durch das Interesse, das ihm von den Sternenbergern entgegengebracht wird. Gut 60 Personen fanden sich zur Veranstaltung ein, bei minimaler Werbung und ohne Lockmittel. Den Sternenbergern ist wohl nicht egal, was mit ihrem «Sunnebad» geschieht.

Um einen Vorgeschmack zur geben, was im «Sunnebad» alles möglich sein werde, verrät Rudolf Ott, was zur Eröffnung am 18. August geplant ist: eine Bibelausstellung mit Fundstücken aus den Ruinen von Qumran am Toten Meer, zusammengestellt vom Qumran-Forscher Alexander Schick. «Die Bibel im Zusammenhang mit Archäologie interessiert mich sehr», meint Rudolf Ott. Und so wie sich das alte Kurhotel Sunnebad an diesem Frühlingsabend zeigt, ist die Hoffnung gross, dass es gelingt: mit grossartiger Aussicht und feurigem Sonnenuntergang.