Das Pflegezentrum «Lindehus» feierte die 40 Jahre seines Bestehens

Der Brunnenstein vor dem «Lindehus» ist mit einer Geschenkschleife verziert (Foto: lk)

Interessante Reden, ein bisschen einheimische Musik, gemütliches Beisammensein mit leckerem Essen, spannende Fotos von früher und heute – das Jubiläumsfest des Pflegezentrums Lindehus am Wochenende in Turbenthal ist rundum gelungen.

Yvonne Fehlmann, die Geschäftsführerin der Pflegezentren Tösstal, begann mit dem Reigen der Reden. Umbauen, umziehen, wieder ankommen – dies waren die Themen der letzten zwei Jahre. Ein kleiner Blick in die Vergangenheit wurde gewagt: 1963 machte man sich erste Gedanken zu einem Neubau eines Altersheims, 1973 hat der Regierungsrat den Gestaltungsplan genehmigt, 1976 erfolgte der erste Spatenstich und 1978 war die Einweihung.

Ins Lindehus sind damals, 1978, BewohnerInnen samt Personal eingezogen, das Personal hatte im äussersten Winkel des Altersheims kleine Zimmerlein und Wohnungen. Nach wenigen Monaten waren alle Betten schon voll und das ältere Haus Stöckli neben dem Altersheim wurde zum Personalhaus umgebaut, damit die ursprünglich als Personalzimmer gedachten Zimmer nun für den Altersheimbedarf genutzt werden konnten. Wie hat sich doch die Betreuung und Pflege in den vergangenen 40 Jahren verändert!

15 Jahre bis zur Realisierung

Erich Pfäffli, Präsident der Betriebskommission Pflegezentren Tösstal, griff ebenfalls die Vergangenheit auf. Vom ersten Gedanken bis zur Realisierung waren damals 15 Jahre nötig. 1963 wurde dem Turbenthaler Gemeinderat der Auftrag erteilt ein Altersheim zu bauen. Weitsichtig entschied der Gemeinderat, dies nicht allein zu machen, sondern die Nachbargemeinden einzubeziehen. Bis alles abgeklärt, der Zweckverband gegründet und die Planung und Umsetzung fertig war, verging Jahr um Jahr. 1978 konnte das erste Haus bezogen werden (zehn Jahre später, 1988, war ja dann das zweite Altersheim des Zweckverbands, «Im Spiegel» in Rikon gebaut und bezugsbereit). 

2006 begannen die ersten Abklärungen zur Renovation, Zweckdienlichkeit und Organisation der beiden Pflegezentren. Gegen die ersten Entwürfe gab es Widerstand, sodass 2010 wieder von neuem begonnen werden musste. Es brauchte mehrere Urnenabstimmungen bis dann 2015 der Kredit bewilligt und die Renovationen 2017 abgeschlossen werden konnten.

Heutzutage informieren sich die zukünftigen BewohnerInnen und deren Angehörige im Internet über mögliche Alters- und Pflegeheime oder sie verlangen Referenzauskünfte von der Geschäftsleitung. Die Ansprüche haben sich in den letzten 40 Jahren verändert!

Fachpersonal ist wichtig

Georges Brunner, Gemeindepräsident von Turbenthal, umschrieb seinen Blick in die Vergangenheit mit «Was lange währt, wird endlich gut». Es hat zwölf Jahre und drei Betriebskommissionspräsidenten lang gedauert bis dieses finanziell tragbare und politisch machbare Projekt von der Stimmbevölkerung angenommen und umgehend realisiert werden konnte. Sehr emotional und anstrengend waren die vielen Gespräche, Begegnungen und Diskussionen – das Ergebnis ist sehr gelungen, wie nun bewundernd festgestellt werden kann. Die Gesellschaft definiert sich durch ihren Umgang mit der älteren Bevölkerung – es gilt stets das entsprechende Fachpersonal zu rekrutieren und zu halten, die Zusammenarbeit zwischen stationär und ambulant (Spitex) zu vertiefen und umsichtig in die Zukunft zu steuern. Die Herausforderungen bleiben, sie sind mit dem Abschluss der Renovationen nicht vorbei.

André Müller, Präsident des Dachverbands CuraViva Kanton Zürich, lobte die angenehme Stimmung des Hauses, man merke, dass hier gerne gelebt und gearbeitet werde, es sei viel Herzblut spürbar. Wenn sich die BewohnerInnen hier zuhause fühlten, die Angehörigen gerne zu Besuch kämen, die MitarbeiterInnen freudig an die Arbeit gingen, dann strahle diese Zufriedenheit durchs ganze Haus und drüber hinaus.

Die Zukunft wird person- und nicht personenorientiert sein, das bedeutet individuelle Dienstleistungen für jeden einzelnen Bewohner, jede einzelne Bewohnerin. Bald komme die Generation der Nachkriegszeit in die Alters- und Pflegeheime, diese bringe andere Musikwünsche, andere Freizeitgewohnheiten, andere elektronische Geräte und somit andere Bedürfnisse mit – die Herausforderungen verändern sich.

Die Prävention zahlt niemand, da muss man sich selber drum kümmern, also heisst es, Stolperfallen in Haus und Wohnung zu vermeiden oder Mobiliar und Einrichtung ans Alter und die eigene Beweglichkeit anpassen. Die Zusammenarbeit von ambulant und stationär vertieft sich, früher war man mit einem Beinbruch rund sechs Wochen im Spital, danach in Reha und vielleicht noch ein halbes Jahr im Pflegeheim und konnte dann bestenfalls wieder nach Hause. Heutzutage wird spätestens nach zehn Tagen ins Pflegeheim gewechselt, parallel laufen die Vorgespräche für Spitex und Therapie und nach drei Wochen ist man schon wieder zu Hause. Fazit: Je besser wir in den Heimen unseren Job machen, desto schneller sind die Leute wieder zuhause, desto weniger verdienen wir. Das grösste Pflegezentrum der Schweiz sind die pflegenden Angehörigen.

Geschenke des VLS

Mit dem Abschluss der Renovationen der beiden Pflegezentren Im Spiegel und Lindehus ist auch die Arbeit des VLS, Verein pro Lindehus und Im Spiegel, abgeschlossen. Der Verein löst sich auf und möchte das Vermögen sinnvoll nachhaltig weitergeben. Auf Anregung vom Baukommissionspräsident Bruno Ruppli wurden einige Geschenk-Ideen besprochen. Gerne wurde das Vereinsvermögen für ein paar kleine bleibende Geschenke gespendet: Ein neuer Lindenbaum vor dem Lindehus, ein imposanter Brunnenstein aus dem Tessin und die Bildergalerie mit Schauplätzen der Region. Die Fotos der Häuser von früher und heute wurden vom ausgewiesenen Bautenkenner Ueli Vetter sorgfältig und ehrenamtlich zusammengetragen. Er wollte kein Entgelt für seine stundenlangen Recherchearbeiten. Aus den teilweise über 100-jährigen Fotos zauberte Johler-Druck aus Wila das bestmögliche Resultat aufgezogen auf Aluminiumplatten. Nun hängen im Erdgeschoss die ersten Fotos an den Wänden, Turbenthal, Wila und Wildberg – überraschende Perspektiven, interessante Veränderungen – in den nächsten Wochen werden die nächsten Geschosse mit weiteren Bilder verschönert – ein Spaziergang in den Gängen zu den Fotos lohnt sich sehr.

Bei den Liedern des Trachtenchors Tösstal sangen und summten viele BewohnerInnen mit, ebenso beim Chelleland-Lied, bei «Hab Sonne im Herzen» oder «Ziit isch da». Altbekannte Melodien waren in den hübsch anzusehenden Trachten zu bewundern.

Aus der Küche strömten die fleissigen HelferInnen, brachten grosse Schüsseln voll Salat, der Braten war im Smoker bestens geräuchert worden und die Würste und Spiesse vom Grill schmecken lecker. Das abwechslungsreiche Dessertbuffet mit der hervorragenden selbstgemachten Creme-Schnitte verzauberte bis in den Nachmittag hinein.