Das Grundwasser fliesst unentwegt

Turbenthal hat die Bevölkerung zu bewusstem Umgang mit dem Trinkwasser aufgefordert. Dies, obwohl der Grundwasserstrom der Töss unerschöpflich fliesst. Die Gemeinde möchte sensibilisieren.

Zurzeit erreicht der tägliche Wasserverbrauch der Gemeinde Spitzenwerte von bis zu 1500 Kubikmeter Trinkwasser, 800 bis 900 Kubikmeter wäre der Normalverbrauch. «Wenn es heiss und auch noch trocken ist, nimmt der Wasserverbrauch zu», sagt Richard Kägi, Brunnenmeister von Turbenthal. «Fällt an einem Tag Regen, geht der Verbrauch ebenso wieder zurück.»
Nachdem im Tösstal in meh­rere Gemeinden zum Wassersparen aufgerufen und auch die Laufbrunnen abgestellt wurden, lancierte die Gemeinde Turbenthal ebenfalls eine Aufforderung, schonender mit dem Trinkwasser umzugehen. «Wir haben in Turbenthal zwar keine Wasserknappheit», sagt Gemeinderat Heinz M. Schwyter, Tiefbau- und Werkvorsteher, «doch rundum schaut die Lage zum Teil ernst aus.»

Solidarität mit  den anderen Gemeinden

Mit der Meldung beabsichtigte die Gemeinde in erster Linie, die Bevölkerung für den Wert des Rohstoffes zu sensibilisieren. Sie möchte dazu motivieren, solidarisch und vorsorglich bewusster mit ihrem Trinkwasser umzugehen. Auch die Brunnen, die am Töss-Grundwasser angeschlossen sind, stellt die Gemeinde nicht ab. «Viele Anwohner benutzen das Wasser. Auch Tiere trinken aus den Brunnen und Wanderer und Velofahrer sind ebenfalls dankbar für die kleine Erfrischung», so Schwyter.

Turbenthal bezieht sein Wasser im Jahresdurchschnitt zu 66 Prozent aus Quellen, 34 Prozent werden aus dem Töss-Grundwasser gepumpt. Aufgrund der grossen Trockenheit sind die Quellen auf dem Versorgungsgebiet seit vier Monaten konstant rückläufig und erreichen minimale Stände. Aber das sei noch kein Grund zur Sorge, «das ist im Sommer normal», so Kägi. Noch vor ein paar Jahren allerdings, konnten sogar 80 bis 85 Prozent des Wassers aus den Quellen bezogen werden. Grund für den Rücklauf sind die Hitzesommer 2003 und 2015. «Grundwasser wird durch ­Regen nachgespiesen», erklärt Kägi. «Bei Quellen braucht es aber einiges mehr, die reagieren nicht so schnell auf Regen.» Gute Quellen reagieren zudem besonders träg, da sie tiefer liegen. Sie erschöpfen sich langsam, dafür dauert es auch länger, bis sie wieder gefüllt sind. Seit 2003 haben sich deshalb die Turbenthaler Quellen nie mehr richtig erholt.

Turbenthal schwimmt auf einem Grundwassersee

Dafür besitzt Turbenthal ein mächtiges Grundwasservorkommen, das grösste im ganzen Tösstal. Unter Turbenthal liegt ein 60 Meter tiefer, fliessender Grundwassersee. «Dass sich dieser erschöpft, ist praktisch ausgeschlossen», sagt Kägi. Seit dem Beginn der Trockenzeit sei der Spiegel zwar gesunken, aber lediglich um einen Meter, von zwei auf drei Meter unter dem Bodenniveau. Das Wasser wird aus 25 Meter Tiefe ins ganze Dorf gepumpt. Durch über 50’000 Meter Leitungsnetz wird es der ganzen Gemeinde verteilt, bis hinauf zum Pirg. Seelmatten, Neubrunn, Bühl und Tablat verfügen zudem über eigene Wasserquellen und sind grösstenteils autonom. Im Moment kann aber nur noch Tablat zu 100 Prozent die eigene Quelle nutzen. Seelmatten und Neubrunnental werden von Turbenthal mit Grundwasser versorgt. Bühl ist ans Reservoir Schmidrüti angeschlossen, welches von der Gruppenwasserversorgung vom Pumpwerk Tannau gespeist wird.

Das Grundwasser im Tannau ist allerdings weniger tief als in Turbenthal und der Wasserspiegel ist um einiges mehr gesunken. «Wenn er im gleichen Tempo weitersinken würde, könnte man irgendwann nicht mehr aufs Grundwasser für die Gruppenwasserversorgung zugreifen», sagt Kägi. Deshalb seien in anderen Gemeinden bereits Vorsichtsmassnahmen getroffen worden, indem zum Beispiel die an die Gruppenwasserversorgung angeschlossenen Brunnen abgeschaltet wurden. In die Turbenthaler Brunnen fliesst aber das eigene Grundwasser, «und aus ihnen auch wieder zurück in den Grund, erklärt Kägi. «Dem Kreislauf wird somit nichts entzogen.»