«Das Bier muss uns schmecken»

Auf den Flaschen steht nur 710, die Sorte steht auf der Banderole Fotos: pa

710 ist kein Geheimcode, sondern der Markenname eines Biers zweier Brauer aus dem oberen Tösstal. Was es mit dem Namen auf sich hat, sei nicht verraten. Da muss man die Brauer schon selbst fragen.

Wer einen Blick in die ehemalige Käserei Büel oberhalb Gibswil-Ried an der Wassserscheide zwischen dem Tösstal und dem Jonatal wirft, vermutet in diesen Räumen keine Brauerei. Der übliche kupferne Braukessel fehlt. Grosse Kochkessel − alles Occasionen aus einer Spitalküche − müssen für den Sud genügen. Bruno Götz und Thomas Grob betreiben das Brauen als Hobby. Das heisst auch, dass sie die Investitionskosten im Rahmen halten müssen. Dass sie die leerstehende Käserei mieten konnten, ist ein Glücksfall. Sie mussten zwar einiges Geld in die Renovation stecken, aber im Grossen und Ganzen kommt ihnen der Raum entgegen. Einziger Schwachpunkt ist die Stromversorgung: zwei Sude gleichzeitig anzusetzen, bringt sie ins Straucheln − schliesslich braucht der Kühlraum auch noch etwas Strom. Deshalb haben sie einen dritten Kochkessel umgebaut und betreiben diesen mit Gas.

Dreihundert Liter als Grenze

Als Engpass im ganzen Produktionsprozess erweist sich der Kühlkessel. Jedes Bier bleibt darin bis zu zehn Tage, bis die Gärung abgeschlossen ist. Höchstens dreihundert Liter können aufs Mal vergoren werden. Aber für Bruno Götz stimmt das so: «Wir machen das als Hobby. Wenn wir mehr wollen, kommen ganz andere Probleme, wie Personalfragen, Steuern etc.» Und auf diesen Aufwand möchten die beiden Brauer gern verzichten.

Schliesslich machen sie das Bier für sich. «Das Bier muss uns schmecken», ist das oberste Qualitätskriterium. In dem seit Jahrzehnten herrschenden Verdrängungskampf im Biermarkt dominieren ein paar wenige global operierende Grosskonzerne, die mehr oder weniger die gleichen Biere vertreiben − unter welchen Labels auch immer. Die an sich schon wenig entwickelte Bierkultur in unserm Land versank vollends im globalisierten Einheitsbrei. Die Liebe zum Bier hat Götz und Grob vor sechs Jahren zusammengebracht, um ein Bier nach eigenem Geschmack zu brauen; als Koch sei der Schritt dazu nicht so weit, meint Thomas Grob dazu.

Dass es ihnen mittlerweile gelungen ist, eine treue Stammkundschaft aufzubauen, macht das Hobby erschwinglich. Dadurch lassen sich die Investitionskosten amortisieren. Für ihr Bier leisten die Brauer sehr viel Handarbeit − vom Brauen bis zum Abfüllen in Flaschen und Etikettieren. Handarbeit führt aber auch dazu, dass kein Sud genau gleich ist wie der vorangehende. «Beim Brauen geht es um Nuancen.» Wann der Hopfen beigegeben wird, wie lange der Sud auf Temparaturmaximum bleibt, spielt eine Rolle – dabei sind wenige Minuten entscheidend. Selbst das Wasser beeinflusst jeden einzelnen Sud; das Quellwasser, das sie benützen, ist nie gleich mineralisiert − es gibt da sogar saisonale Unterschiede. Im Gegensatz zu den industriellen Brauereien wird das Wasser nicht nachbehandelt.

Ein Naturprodukt

Was bei der GGBrau am Schluss herauskommt ist ein Naturprodukt: unfiltriert, naturtrüb, nicht pasteurisiert. Im leeren Glas findet sich deshalb immer auch ein bisschen Satz. Fünf Biere hat die GGBrau im Angebot: Hell, Dunkel, Urdinkel, Amber (Alberts Märzen) und Weizen; wobei die letzteren saisonale Biere sind. Beim Brauen sind die beiden Brauer zurückhaltend beim Einsatz von Hopfen − sie stehen nicht so sehr auf bittere Biere − dafür sind sie aber sonst grosszügig mit den Zutaten, was zu einem sehr aromatischen Bier führt. Und weil Bier auch ein Naturprodukt ist und in kleinen Brauereien handwerklich hergestellt wird, kann die eine oder andere Sorte auch mal fehlen. Darum heisst es auf der Homepage der GGBrau auch so wohltuend: «Bier kann auch mal ausgehen.»