Damit die Natur wieder atmen kann

Mit vollem Körpereinsatz werden die wilden Verwachsungen herausgezogen (Fotos: lk)

Weiher verwachsen, Hecken verwildern und dies ist für einige Tiere und Pflanzen verheerend. So haben am letzten Samstag viele fleissige Hände geschnitten, gelichtet und der Natur wieder Luft zum Atmen gegeben.

Pünktlich um acht Uhr morgens konnte Ruedi Gähler, Vorsteher der Kommission Landschaft und Natur der Gemeinde Zell, knapp dreis-sig Personen begrüssen. Alle waren arbeits- und wetterfest angezogen und motiviert für die zu erledigenden Arbeiten. Beim Stauweiher in der Au musste das Ufer von Schlinggewächs gesäubert, im Seefeld zwischen Rämismühle und Turbenthal der Rand des Biotops gelichtet und beim Bienenhaus oberhalb Ifang in Zell die Hecke gestutzt werden.

Fritz Holzer, Präsident des Verschönerungsvereins Zell, säubert und betreut seit Jahren das Biotop und konnte manch eine seltene Vogel- und Pflanzenart benennen, die sich hier angesiedelt hat. Hansruedi Schoch, Bio-Bauer aus der Au kennt alle kleinen und grösseren Naturschönheiten seiner Wohnregion bestens und beobachtet aufmerksam die Veränderungen. Stefan Hollenstein ist seit Jahren Gemeindeförster und bringt so schon von Berufs wegen ein umfassendes Wissen über Fauna und Flora und deren optimale Pflege mit. Diese drei Fachleute übernahmen je eine Gruppe, das benötigte Werkzeug wurde auf die Autos verteilt und los ging’s zu den drei Orten.

Naturhecke im Ifang

Die im Jahr 1995 gepflanzte Hecke war im Rahmen des Zeller Vernetzungsprojekts angelegt worden. Die Sträucherarten wurden bewusst ausgewählt um zahlreichen Tieren, Insekten und Pflanzen den idealen Unterschlupf zu gewähren. Schwarz-, Weiss-, Kreuz- und Sanddorn, Pfaffenhütchen, Holunder, Traubenkirsche, Gemeiner Schneeball und Geissblatt sowie Liguster bildeten die damals perfekte Heckenkombination. Sie ist letztmals im 2008 gepflegt worden, inzwischen haben sich die Sträucher ausgeweitet, das Bienenhäuschen dahinter war fast nicht mehr zu sehen, das Ruhebänkli zugewachsen, sodass die Sicht nur noch geradeaus möglich war.

Gemeindeförster Stefan Hollenstein vollzog mit seiner Motorsäge die erste grobe Stutzung und fällte die versamten fremden Gestrüppe. Ernst Keller verkleinerte nebendran mit seiner Säge diesen groben Ausschnitt, damit danach die HelferInnen die Äste zum Sammelhaufen transportieren konnten. Weiter oben waren Beatrice, Marcel und Cyril mit der Hecken- und Astschere daran, rund um das Bienenhaus die Lichtung zu säubern. Der 14-jährige Cyril ist ein Pflanzenliebhaber. Nicht nur sein Zimmer ist fast ein Urwald, er interessiert sich sehr für die Natur und wünscht sich eine Lehrstelle als Landschaftsgärtner, in den Herbstferien darf er ein paar Tage in diesem Beruf schnuppern.

Fleissig wurde gesägt, geschnitten, die Äste den steilen Hang hinauf oder hinab getragen zu den jeweiligen Sammelhaufen und hoch aufgeschichtet, damit der Landwirt danach mit dem Greifer alles aufladen und abtransportieren konnte. Mit vereinten Kräften ging es zügig voran, sodass gegen Mittag drei ansehnliche Grüngut-Berge parat waren.

So wie am Beispiel der Hecke im Ifang waren auch die beiden anderen Arbeitsgebiete vorher vom Gemeindeförster besichtigt, bewertet und definiert worden. Eine abwechslungsreiche Pflanzenwelt braucht verschiedene Sonnen- und Umgebungsverhältnisse. Das Gleichgewicht zwischen «im Schach halten» und «der Natur überlassen» prägt die Insekten- und Tierwelt darumherum. Der Stauweiher in der Au und das Biotop im Seefeld sind «Stammgäste» bei den Naturschutzarbeiten und zeigen eindrücklich, wie innerhalb eines Jahres die Natur sich ausbreitet.

Zwischendurch brachte Brigitte Omusoru leckere Sandwiches und heissen Kaffee zu den jeweiligen Einsatzorten für die wohlverdiente Pause. Gegen zwölf Uhr trafen sich die NaturhelferInnen im Restaurant Obstgarten in Oberlangenhard, im lauschigen Garten wurde gemütlich das Mittagessen genossen und von den wunderschönen Naturplätzen der Gemeinde Zell geschwärmt…

Die nächste Möglichkeit die Gemeinde Zell zu pflegen, ist am Samstag, 30. September 2017 beim Herbsteinsatz des Verschönerungsvereins Zell. Treffpunkt 7.30 Uhr beim Werkhof Schöntal in Rikon.