«Dä Chämifäger chunnt»

Christoph Duvaud ist seit vielen Jahren Kaminfeger der Gemeinde Bauma Foto: hst

Christoph Duvaud aus Bauma ist seit 1968 Kaminfeger. Wie viele Haushalte er betreut, kann er nicht auswendig sagen. Als selbstständiger Kaminfeger ist er überall unterwegs.

Früher hat er die Bewilligung jeweils von der Gemeinde bekommen. Heute erhält er alle vier Jahre von der Gebäudeversicherung ein Schreiben mit der Information, die Bewilligung laufe aus. Er holt sich dann auf der Gemeinde ein Zeugnis, in dem seine Zurechnungsfähigkeit bestätigt wird. Dann schickt er dieses zusammen mit seinen Unterlagen der Gebäudeversicherung. Sobald alles korrekt ist, wird er, wie Christoph Duvaud sagt, «aufgeschalten».  Mit diesem Vorgehen wird verhindert, dass «schwarze Schafe» in diesem Beruf tätig sind und nur Kaminfeger mit Meisterprüfung den Beruf ausüben können.

Mit dem Berufsnachwuchs verhält es sich ähnlich wie bei vielen Handwerkerberufen. Das Interesse ist nicht sehr gross. Pro Lehrjahr erlernen im Kanton zwischen 12 und 15 junge Menschen das Handwerk des Kaminfegers. Auch Mädchen sind dabei. Lehrlinge aus den Kantonen Zürich und Schaffhausen müssen in Winterthur die Berufsschule besuchen.

In der Zwischenzeit hat Christoph Duvaud in meiner Küche Zeitungen ausgelegt, die Lüftungsschieber mit Zeitungen eingewickelt und diese so in die Öffnungen gedrückt, damit beim Putzen kein Russ herauskommt.

Ich sehe ein paar Arbeitsgeräte, unter anderem einen grossen Staubsauger sowie einen grossen und kleinen Rohrwischer. Der grosse Wischer besteht aus Kunststoff. Früher bestanden diese aus Gänsefederkielen, die aufgespalten wurden. Vorwiegend wurden sie im Ostblock hergestellt. Heute sind dies auslaufende Modelle, und es wird meistens mit Kunststoffrohrwischern gearbeitet. Diese sind kostengünstiger. Christoph Duvaud würde aber gern den Preis für die Naturwischer zahlen, denn in der Praxis haben sich diese vor allem bei noch warmen Öfen besser geeignet. Mit den Kunststoffwischern wird es dann problematisch, wenn der Ofen noch Feuer enthält, dann würden die modernen Wischer in der Hitze «vergehen».

Auf meine Frage, ob ich Braunkohlenbrikett im Kachelofen verfeuern darf, meint der Kaminfeger, dass die für den Kachelofen eher weniger geeignet sind. Sie verbrennen mit einer langen Flamme und brauchen viel Luftzufuhr. Am Schluss ist das Brikett ein einziger glühender Klotz. Früher waren sie mit Union beschriftet. Diese Schrift war aber nur auf dem glühenden Brikett lesbar und wies darauf hin, die Luftzufuhr nun gänzlich abzustellen.

Beim Holzofenherd macht Brikett durchaus Sinn, denn die Wärme wird lange gespeichert. Der spezielle Brikettgeruch ist ein Nachteil, vor allem wenn der Luftschieber dann gänzlich geschlossen wird. Auch gepresste Holz-, Rinden- oder Hartholzbriketts sind geeignet.

Unerlaubte Entsorgung

Die Anzündhilfen sind individuell. Es gibt solche aus Holzwolle oder Zündwürfel. Auch wird oft mit Sägemehl und Petrol angefeuert. Zeitungen sind umwelttechnisch nicht geeignet. Die Druckerschwärze ist ein Problem, früher war dies auch der Feinstaub. Vor allem die Kontrolleure sind gegen Zeitungshilfen beim Anfeuern.

In der Gemeinde Bauma kommt alle zwei Jahre ein Kontrolleur vorbei. Er beurteilt das Holz (Feuchtigkeit) und kann anhand der Aschenrückstände sehen, was gefeuert wurde. Christoph Duvaud machte früher auch solche Kontrollgänge und löste damit nicht immer Freude aus. In einem Fall bemerkte er, dass der in der Zwischenzeit verstorbene Herr alles, was es zu verbrennen gab, in seinem Ofen entsorgte. Als Christoph Duvaud ihn fragte, wo er denn die Asche entsorge, antwortete der Herr: «Im Wald.» Der Kaminfeger wies den alten Herrn dann auf die Grundwasserverunreinigung hin…

Dann gab es Leute, die ihre Ölheizung aufschraubten und den Kehricht auf diese Weise entsorgt, sprich verbrannt haben. Auch erzählt Duvaud, dass er Leute kannte, die ein 200-Liter-Fass oben aufschnitten, unten ein Loch anbrachten und den Kehricht in einer Nacht- und Nebelaktion im Garten verbrannten. Sie hätten dabei jedoch nicht bedacht, dass sich das ganze Gift zum grössten Teil wieder auf ihren Garten niederlegt. Und so gebe es noch viele solcher speziellen Verbrennungsgeschichten, wie Duvaud erzählt. Der heutige Trend ist, das Feuer von oben anzuzünden. Aber dies ist nicht bei allen Kachelöfen machbar. Mit dieser Technik soll der Feinstaub in Grenzen gehalten werden. Auch Gase, die aus dem Holz austreten, müssen das Feuer auf diese Weise durchlaufen und werden dadurch vollständig verbrannt. In einem Schwedenofen oder im Holzherd funktioniert diese Anzündmethode sehr gut.

Ich bekomme noch viele wertvolle Tipps. Jeder Kachelofen hat seine Eigenheiten und es gilt nicht generell ein Tipp für alle Öfen. Die Wärme eines Kachelofens ist eine andere Wärme als jene einer Heizung, auch ist die Luft nicht so trocken. Das Handwerk wird noch lange nicht aussterben, denn auch die weitverbreiteten Schweden- und Specksteinofen sorgen für eine gute Auftragslage.

Christoph Duvaud wird im Frühling pensioniert. Sein Nachfolger Philipp Meli wird die Kundschaft übernehmen. Auch er bildet Lehrlinge aus.

 

SCHORNSTEINFEGER BRACHTEN SEGEN
Der Beruf des Schornsteinfegers war früher ein sehr angesehener. Verstopfte oder schlecht ziehende Kamine bedeuteten ein kaltes Heim und einen kalten Herd, das Herzstück der damaligen Häuser. Im schlimmsten Falle konnten zu brennen beginnende Russteilchen zu einem Haus- oder manchmal in der Folge sogar zu einem Dorfbrand führen, oder ein verlegter Kamin zur lebensgefährlichen, oft todbringenden Vergiftung durch Rauchgase. Der Schornsteinfeger, der solcherlei häusliche Gebrechen durch das Fegen des Schorn steins beheben respektive abwenden konnte, war sozusagen als «Retter» zu sehen und dementsprechend hoch geachtet. Daher rührt wohl auch die Verwendung des Symbols des Schornsteinfegers als Glücksbringer