Da wächst eine Feststadt aus dem Boden

Der Festturm steht nicht mehr alleine auf weiter Flur (Fotos: md)

Seit etwas mehr als einer Woche herrscht in Hinterrikon ein Bauboom: Die grossen Festzelte für das Kantonale Turnfest 2017 werden aufgebaut und mit allem ausgerüstet, was nötig ist: Strom, Frischwasser, Toiletten, Tische und Stühle. Rund 50 Freiwillige sind täglich beim Aufbau im Einsatz.

Alles fing Anfang März an: Da wurde mitten auf der weiten Wiese in Hinterrikon der hölzerne Festturm aufgestellt. «Wir haben diesen Turm absichtlich bereits einige Monate vor dem Turnfest aufgestellt als Botschafter», sagt Ernst Hauser, verantwortlich für die Infrastruktur am Kantonalen Turnfest (KTF), das am 17. Juni beginnt. Viele Wochen stand dieser Turm alleine auf weiter Flur und es war einige Fantasie nötig, um sich auszudenken, wie sich das Festareal am Tag X präsentieren wird. Dies, obwohl der Festturm Mitte Mai mit der Alphütte Gesellschaft bekommen hat.

Anfang letzter Woche hat nun der Aufbau der Festzelte und Festplätze begonnen. Nach nur eineinhalb Wochen haben die 30 bis 50 täglich im Einsatz stehenden freiwilligen Helfer in Hinterrikon eine ansehnliche Zeltstadt aus dem Boden gestampft. Das 20 Hektaren grosse Areal gleicht einer Baustelle: Helfer laden mit Kränen und Gabelstaplern Boden- oder Tribünenelemente von Sattelschleppern, eine Gruppe verlegt mit Hilfe einer mobilen Arbeitsbühne Elek-troleitungen und ein Handwerker schneidet Holzlatten zu. Wohin der Beobachter blickt, wird intensiv gearbeitet, wird Material von einem Ende des Festplatzes zum anderen transportiert. Alles ist gut koordiniert.

Infrastruktur für 12000 Turner

Was wie ein Uhrwerk abzulaufen scheint, ist keine Selbstverständlichkeit: «Jeden Tag sind wieder andere Freiwillige hier», betont Hauser, «Entscheidend ist, diese am Morgen möglichst rasch in einen Einsatz schicken zu können.» Insgesamt werden neun Zelte verschiedener Grösse aufgestellt. Das grosse Festzelt und die Arena ragten bereits am Mittwoch in die Höhe. Das Festzelt, das auch der Verpflegung dient und 3500 Personen fassen kann, hat eine Länge von 105 und eine Breite von 31 Metern, ohne die Anbauten für Küche und Catering. Die Arena, wo am 17. und am 24. Juni der Showabend «Töss-tastisch» stattfindet, fasst 1500 Personen. Gerade in der Aufbauphase befanden sich das Bierzelt, das Barzelt, das Weinzelt, das Barbeque-Zelt sowie zwei Turnzelte.

Frank Günthardt (l.), Präsident Zürcher Turnverband, und René Bosshard, KTF-Wettkampfleiter
Frank Günthardt (l.), Präsident Zürcher Turnverband, und René Bosshard, KTF-Wettkampfleiter

Der Festturm wird also mehr und mehr von der Feststadt umzingelt. Um die Wiese zu schonen, werden dort, wo grosser Fussgängerverkehr oder schwere Transporte erwartet werden, Holzbodenelemente oder Stahlplatten verlegt. «Wir achten besonders darauf, dass der Boden der von uns genutzten Wiesen nicht verdichtet wird», hebt Hauser hervor. Schliesslich werden sich am Höhepunkt des KTF, am 24. Juni, rund 12’000 Turner auf dem Festareal bewegen. Einen grossen Teil des verwendeten Holzes liefert die Sägerei Bachmann in Wila. Die ebenfalls zahlreich verwendeten Schaltafeln stammen zum Teil von lokalen und regionalen Bauunternehmungen.

Die Versorgung des Festareals mit Strom, Trinkwasser sowie die Entsorgung des Abwassers bilden eine der grösseren Herausforderungen beim Aufbau der KTF-Infrastruktur: «Der Betrieb der Küche und der Kühlwagen verschlingt viel Strom», sagt Ernst Hauser. Deshalb mussten zwei zusätzliche Starkstromleitungen zum Festgelände gelegt werden: Die eine Leitung wird über die Wasserversorgungsstation an der Töss versorgt, die andere vom Industrieareal von Kuhn Rikon. Da das KTF zum grössten Teil auf Landwirtschaftsland abgehalten wird, bestehen für das Abwasser nur unzureichend dimensionierte Leitungen. Deshalb wird das gesamte Abwasser, ob von den Toiletten oder von der Küche, in Tanks gesammelt, welche von Zeit zu Zeit mit Tankwagen abgepumpt werden. Die Tankwagen transportieren das Abwasser dann zu einem Schacht, der an das Abwassernetz angeschlossen ist.

Wolfgang Auwärter, von 1984 bis 2014 Patron von Kuhn Rikon, verriet bei einem Rundgang über das Festareal, dass sich das KTF zu einem grossen Teil auf Land der weltberühmten Firma abspielen wird: «Unsere Firma gab es schon, bevor die Eisenbahn gebaut wurde. Deshalb brauchte Kuhn Rikon einen riesigen Fuhrpark an Wagen mit entsprechend vielen Pferden, um die Fabrik mit Rohstoffen zu versorgen und die Produkte nach Winterthur zu transportieren. Auf dem heutigen Landwirtschaftsland standen früher die Pferdeställe und Einstellhallen für die Wagen.»

Bis zu 50 Freiwillige helfen täglich beim Aufbau des Festgeländes
Bis zu 50 Freiwillige helfen täglich beim Aufbau des Festgeländes

Infrastruktur-Chef Ernst Hauser ist trotz der vielen Arbeit, die bis zum Festbeginn noch zu leisten ist, guter Dinge: «Dank des guten Wetters sind wir gegenüber dem offiziellen Terminplan im Vorsprung.» Doch auch dann, wenn das KTF am 25. Juni zu Ende sein wird und alle TurnerInnen und BesucherInnen voller positiver Eindrücke heimkehren werden, wird Hauser die Hände nicht in den Schoss legen können: «Nach dem Fest wird restlos alles zurückgebaut. Den Festturm aber möchten wir übrigens verkaufen.» Die grünen Wiesen werden dann wieder das Landschaftsbild in Hinterrikon prägen.

Vorgeschichte des Turnfests

Die Vorbereitungen zum 125-Jahr-Jubiläum des Turnvereins Rikon gaben den Impuls zur Organisation des Kantonalturnfestes 2017 (KTF) in Rikon. Die Vorgeschichte reicht weit zurück: Martin Lüdin, Gemeindepräsident von Zell, und Hans-Peter Meier, sein Amtskollege aus Wila, pilgerten bereits 2011 gemeinsam ans damalige Kantonalturnfest, das nur alle sechs Jahre stattfindet, nach Wädenswil. Sie wollten einen Augenschein nehmen und sich mit den Organisatoren austauschen. Danach war für die beiden klar: Das nächste Turnfest wird in Rikon stattfinden. Hans-Peter Meier engagiert sich als OK-Präsident des KTF und Martin Lüdin als Botschafter. An der Organisation des KTF sind sieben Turnvereine aus Bauma, Schlatt, Winterthur-Seen, Turbenthal, Weisslingen, Wila und Schalchen-Wildberg beteiligt. Die gesamte Organisationsarbeit wird ehrenamtlich und unentgeltlich geleistet.