CO2: Wir heizen dem Klima ein

Meteorologe Thomas Kleiber referierte auf Einladung der Energiekommission Zell in Rikon (Foto: tb)

Die Energiekommission Zell hat zu einem Vortragsabend mit dem Meteorologen Thomas Kleiber vom Schweizer
Radio und Fernsehen eingeladen, um die Bevölkerung über Fragen rund um den Klimawandel zu orientieren.

Über 70 Interessierte fanden sich am Montagabend im renovierten Saal des Schulhauses Hirsgarten ein, um den Ausführungen des bekannten TV-Mannes Thomas Kleiber zu folgen. Kurt Rau, Mitglied der Energiekommission, erklärte in der Einleitung, dass Zell mit dem Energiestadtlabel verpflichtet sei, die Bevölkerung zu energiebewusstem Handeln anzuhalten und sie über Fragen der Energie aufzuklären. Zum Aufwärmen stellte er die Fragen in den Raum, warum wir Energie sparen sollten und warum das Entstehen von CO2 störe. Mit ein paar Zahlen unterlegte er das Ausmass des Ausstosses von Treibhausgasen: 50 Millionen Tonnen pro Jahr, 6,5 Tonnen pro Kopf-Emission, davon fünf Tonnen CO2 (ohne die durch Importe generierte Menge). So war man gespannt, was der Referent Thomas Kleiber zum Einfluss dieser Tatsache auf das Wetter meinte.

Der Meteorologe zog alle Register der Vortragskunst

Schon die kurze Einspielung von einem Besuch bei «Aeschbacher» zeigte, dass Thomas Kleiber neben Kompetenz auch Witz und Humor besitzt, um das Publikum bei diesem schwierigen und umstrittenen Thema in Bann zu ziehen. Gespickt mit Statistiken, graphischen Darstellungen und Filmeinspielungen informierte der Wetterfachmann die ZuhörerInnen in seinem rund einstündigen Vortrag.

Im Gegensatz zum «Wetter», das eine momentane Situation darstellt, hat das «Klima» einen langsamen Charakter. Der Klimawandel ist schleichend, aber er ist eine Tatsache, was Statistiken über Jahrhunderte aufzeigen. Natürlich gab es schon immer Klimaveränderungen, aber die aktuelle Erwärmung ist vom Mensch verursacht. Der Biorhythmus der Erde ist durchaus durch natürliche Einflüsse geprägt, wie zum Beispiel durch die variierende Neigung der Erdachse oder die unterschiedliche Laufbahn der Erde. Doch diese Faktoren sind keine Erklärung für die momentane schnelle Erwärmung.

Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wird der Treibhauseffekt verstärkt, indem CO2 freigesetzt wird. Durch die Aktivitäten der Menschen erhöhen sich die Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre. Ein grösserer Teil der Strahlen wird von der Atmosphäre absorbiert und erneut auf die Erde zurückgestrahlt. So heizt sich die Luft in Bodennähe zusätzlich zum natürlichen Treibhauseffekt auf. Es wird global wärmer, das heisst nicht in jedem Land zum gleichen Zeitpunkt. Als positive Entwicklung betrachtet Kleiber etwa die Fortschritte in der Motorentechnik, sodass man effizienter Auto fährt und dadurch der CO2-Ausstoss aus Treibstoffen im Sinken begriffen ist.

Wärmere Atmosphäre bedeutet mehr Energie

Da der Treibhauseffekt vor allem an den Polen zu spüren ist, wird der Klimaunterschied zwischen polarer und tropischer Region kleiner. Klassische Stürme nehmen nicht zu, aber man muss damit rechnen, dass die Gewitter in der Schweiz heftiger ausfallen. Es gilt das Gesetz, je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Es gibt zahlenmässig nicht mehr Hurrikane, aber diese Wirbelstürme sind viel stärker und mit verheerenderen Folgen für Mensch und Natur. Es regnet nicht mehr, aber die Regenfälle sind intensiver, was gepaart mit der menschlich verursachten Bodenversiegelung zu Überschwemmungen führen kann. Durch die höhere Schneefallgrenze und die Gletscherschmelze wird das Wasser nicht gebunden. Es fliesst schneller ab und verursacht vor allem im Winterhalbjahr Hochwasserkatastrophen.

Jetstreams bilden sich infolge globaler Ausgleichsbewegungen zwischen verschiedenen Temperaturregionen beziehungsweise zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. Sie stellen die stärksten natürlich auftretenden Winde dar, wobei sie im Vergleich zu anderen Wetterphänomenen sehr verlässlich und über mehrere Tage stabil in ihrem Auftreten sind. In der letzten Zeit ist zu beobachten, dass diese Wetterschiene stehen bleibt, was lange, gleiche Wettersituationen zur Folge hat, zum Beispiel Dürrezeiten oder Dauerregen. Auch wenn die globale Niederschlagsmenge konstant bleibt, müssen wir mit mehr Hitzewellen, Trockenzeiten, weniger Schnee, mehr Hochwasser und Starkregen rechnen. Die Abfolge ist eine Wahrschein-
lichkeit, die wie beim Würfeln eintreffen kann oder nicht, doch der Trend ist klar.

Rege Teilnahme an der anschliessenden Diskussion

Nach seinem lebendigen Vortrag stellte sich Thomas Kleiber den Fragen aus dem Publikum, was auch rege benutzt wurde. Er beantwortete kompetent Fragen zum Einfluss von El Niño, zur Auswirkung von Vulkanausbrüchen oder zum Anstieg des Meeresspiegels. Es gibt keine Patentlösung, so findet Kleiber die Bindung von CO2 zu aufwendig. Da der Mensch mehr als zur Hälfte für die Klimaveränderung verantwortlich ist und das Tempo immer mehr zunimmt, ist es nötig, dass jeder seinen Teil zum Energiesparen beiträgt und damit den CO2-Ausstoss zu vermindern hilft.

Am Schluss der Veranstaltung dankt der Präsident der Energiekommission Ruedi Gähler dem Referenten und dem Organisator Kurt Rau für den gelungenen Anlass.