Budgets mit Dessert versüsst

Die Stimmberechtigten erteilten der Kirchgemeinde Schlatt das Mandat zur Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit Elgg und Elsau (Foto: Archiv tth)

An der Gemeindeversammlung Schlatt herrschte Harmonie. Die Stimmberechtigten genehmigten die Voranschläge der Primarschule, der Politischen Gemeinde und der Kirche diskussionslos. Die Kirchgemeinde darf eine verbindliche Zusammenarbeit mit Elgg und Elsau anstreben.

Wenige Tage nach dem Aus für die geplante Fusion der Schulgemeinden von Wila, Wildberg und Turbenthal orientierte die Primarschulgemeinde Schlatt über ihren möglichen Zusammenschluss mit jener von Elsau. Thomas Keller erklärte, die Motivation dafür liege in der Pädagogik. In einem grösseren Verbund könnte man das Angebot besser auf die Schüler ausrichten. Natürlich spielten aber auch die Finanzen eine Rolle. Die entsprechende Abstimmung ist auf den November 2017 geplant. Keller räumte ein, dass die kürzlich durchgeführte Informationsveranstaltung zu diesem Thema schlecht kommuniziert worden sei und versprach: «Von nun an machen wir es besser.»

Die Schulfusion stand nicht auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung vom letzten Donnerstag, es handelte sich um eine reine Information. Die Versammlung wurde von Schulpräsident Domenic Hartmann eröffnet. Der Stimmenzähler «auf der Schwimmbadseite» und die Stimmenzählerin «auf der Schulhausseite» meldeten insgesamt 37 Anwesende. Davon waren 31 stimmberechtigt. Hartmann verzichtete auf das Verlesen des Voranschlages, der bei einem Aufwand von 1,648 Millionen und einem Ertrag von 968‘500 Franken einen Aufwandüberschuss von 679‘800 Franken vorsieht. Bei einem Steuerfuss von 62 Prozent würde ein Restbetrag von 22‘600 Franken durch Entnahme aus dem Eigenkapital gedeckt. Nettoinvestitionen sind keine vorgesehen. Die Stimmberechtigten hiessen den Voranschlag der Primarschulgemeinde diskussionslos gut.

Ausgeglichenes Budget

«Im Prinzip haben wir ein ausgeglichenes Budget», wandte sich Gemeindepräsident Urs Schäfer an die Versammlung. Die Laufende Rechnung zeigt einen Aufwand von 3,816 Millionen und einen Ertrag von fast 3,361 Millionen Franken. Es verbleibt also ein zu deckender Aufwandüberschuss von 455‘800 Franken, zu dessen Deckung ein Steuerfuss von 41 Prozent erhoben wird. Der Restbetrag von 21‘200 Franken wird dem Eigenkapital belastet. Die Gemeinde benötige eine neue Bau- und Zonenordnung (BZO) und ziehe dafür eine externe Beratung bei. Deren Kosten entsprechen in etwa dem Defizit. Schlatt will auch künftig auf den Individuellen Sonderlasten-Ausgleich (Isola) verzichten, der Gemeinderat sieht darin kein geeignetes Mittel. Aus dem Publikum kamen keine Fragen, und der Voranschlag der politischen Gemeinde wurde einstimmig genehmigt.

Der Gemeindepräsident erwähnte die personellen Veränderungen auf der Verwaltung. Die langjährige Mitarbeiterin Susanna Hux sei am Vorabend mit einem Essen verabschiedet worden («Es war ziemlich lustig»). Anfangs November hat Irene Krenger aus Dickbuch die Arbeit aufgenommen. Für die Einführung der BZO sei der 1. Januar 2018 geplant: «Das ist aber recht sportlich. Realistischer ist wohl der 1. Januar 2019.» Für 2017 ist jedenfalls eine Orientierung vorgesehen.

Gewünschtes Mandat erteilt

Zur Versammlung der reformierten Kirchgemeinde konnte Präsidentin Verena Wüthrich 25 Stimmberechtigte begrüssen. Sie hob einige Schwerpunkte mit finanziellen Konsequenzen für 2017 hervor, so etwa, dass in Schlatt weniger Gottesdienste abgehalten werden. Aber alle Kasualien (also Hochzeiten, Abdankungen, Konfirmationen) und der konfessionelle Unterricht sollen im Dorf bleiben. Mit Freude verkündete Wüthrich die Anstellung eines jungen Organisten: «Wer einen schönen Mann sehen will, soll mal in die Kirche kommen.» Im Pfarrhaus müssen Anpassungen vorgenommen werden, um den feuerpolizeilichen Vorschriften zu genügen. In der Kirche soll eine Akustikanlage nach neustem Standard installiert werden. Dies ist in der Investitionsrechnung im Verwaltungsvermögen berücksichtigt (25‘000 Franken).

Bei einem Aufwand von 333‘800 und einem Ertrag von 237‘900 Franken zeigt die Laufende Rechnung einen Aufwandüberschuss von 95‘900 Franken. Im Ertrag ist ein Finanzausgleichsbetrag der kirchlichen Zentralkasse von 185‘000 Franken enthalten. Zur teilweisen Deckung des Defizits wird ein Steuerfuss von 14 Prozent erhoben. Der Rest von 3300 Franken ist durch das Eigenkapital gedeckt. Die Stimmberechtigten bewilligten den Voranschlag einhellig.

Im zweiten Traktandum ersuchte die Kirchgemeinde um die Erteilung eines Mandats, das ihr ermöglicht, mit den Kirchgemeinden von Elgg und Elsau Fusionsverhandlungen aufzunehmen. Jemand habe mal gesagt «wir wollen es nicht, aber es bleibt uns nichts Anderes übrig», erklärte die Präsidentin. Ein grösserer Verbund biete mehr Möglichkeiten, eine kleine Gemeinde könne nur einen Teil der Bedürfnisse abdecken. «Statt auf die Zukunft zu warten, wollen wir sie lieber mitgestalten.» Unter diesem Motto möchte die Kirchgemeinde mit den Nachbargemeinden verhandeln. Aus der Versammlung kamen keine Fragen oder Voten, das Mandat wurde der Kirchenpflege einstimmig erteilt.

Nun hätte Polo Hofers «Stüehl ewäg» gepasst, denn kaum war die Versammlung geschlossen, wurden die Stühle aus dem Saal entfernt. Allerdings nicht, damit man «umegumpe» konnte, sondern um Platz für Tische zu schaffen. Auf diesen richteten Behördenmitglieder ein reichhaltiges kaltes Büffet an, offeriert von der politischen Gemeinde. Ergänzt wurde dieses durch Crèmeschnitten, kreiert und spendiert von Christian Hirt. Einfach so. Gemeindeversammlungen in Schlatt haben eben eine persönliche Note.

Aufgeschnappt
Für eine kleine Verzögerung sorgte der Berichterstatter des amtlichen Publikationsblattes. Bei der Auszählung der Stimmberechtigten streckte er frech die Hand in die Höhe, obwohl er nicht in der Gemeinde Schlatt wohnt. Er war der Meinung, die Nichtstimmberechtigten würden ausgezählt. Danach konzentrierte er sich besser auf das, was vorne gesagt wurde.
Albert Büchi
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