Belastung hält sich in Grenzen

Blick in den Skiliftwagen in Sitzberg. Alle Skiliftbetreiber im Tösstal sorgen mit Verpflegungsmöglichkeiten für zusätzliche Einnahmen Foto: zVg

Renommierte Skigebiete in den Schweizer Bergen sehen sich mit grossen Problemen konfrontiert. Wo kein Schnee liegt, bleiben die Gäste aus. Skilifte gibt es auch in tieferen Lagen, zum Beispiel im Tösstal. Wie sieht es bei diesen finanziell aus?

«Wir sind bereit. Nun warten wir nur noch auf den Schnee.» So oder ähnlich lauten die aktuellen Einträge auf den Internetseiten der Tösstaler Skiliftbetreiber. Sie haben sich auf die Saison vorbereitet und die nötige Infrastruktur eingerichtet. Doch leider fehlt etwas ganz Elementares: nämlich der Schnee. Eine Umfrage des «Tößthalers» zeigt, dass die unerfreuliche Situation wenigstens finanziell keine allzu grosse Belastung darstellt.

Der Skilift in Steg, mit einer Länge von 1100 Metern der längste im Kanton Zürich, wird von einer Aktiengesellschaft betrieben. Durch eine aufwendige Aktion ist es gelungen, ein neues Pistenfahrzeug zu erwerben. Dieses wurde kurz vor Weihnachten der Bevölkerung präsentiert («Tößthaler» vom 24. Dezember 2015), wartet aber noch auf seinen ersten Einsatz. Mit den Vorbereitungen beginnen die Skiliftbetreiber im November, die Anlage wird in Fronarbeit aufgestellt.

«Wir haben aber 15’000 bis 20’000 Franken Fixkosten für Versicherungen, Landentschädigung und Betriebsbewilligungen», erklärt die für die Buchhaltung zuständige Beatrix Dönni. Diese Belastung versuche man mit anderen Aktivitäten wie etwa dem Kuhgolfturnier, einem Fondueplausch oder der Skichilbi zu mildern. Zusätzliche Einnahmen entstehen durch Werbeblachen und die Vermietung der Skihütte für private Anlässe. Eine weitere Einnahmequelle wäre das Natureisfeld, das mindestens dem Kiosk etwas Geld einbringt. Doch dafür sind die derzeitigen Temperaturen zu hoch.

Ebenfalls eine Aktiengesellschaft steht hinter dem Skilift Fischenthal. «Wir beginnen Mitte Oktober mit den Vorbereitungen», sagt Betriebsleiter Martin Schoch. Die Vorbereitungsarbeiten werden in Fronarbeit erledigt. Kosten entstünden durch Strom, Versicherungen sowie Revisionen am Lift und Gehängen. Laut Martin Schoch werden diese durch das Eigenkapital oder Sponsoren gedeckt. Andere Aktivitäten, um allfällige Defizite aufzufangen, seien nicht geplant. Einzig im Sommer vermietet die AG ihr Restaurant für Festivitäten.

Mit Kreativität und Einsatz

Der Skilift Sitzberg ist in einem Verein organisiert, welcher 2006 von einer Elterngruppe Pirg gegründet wurde. Ziel war es, den bestehenden Skilift zu retten und damit den Kindern und Jugendlichen im Pirg eine sinnvolle und günstige Freizeitbeschäftigung zu bieten. Da erfahrungsgemäss vor Mitte November nicht mit Schnee zu rechnen ist, wird der Lift ab dann durch Vereinsmitglieder aufgestellt. Dies geschieht ehrenamtlich, so entstehen keine Kosten für den Verein. «Der Verein Skilift Sitzberg verfolgt keine finanziellen Ziele», erklärt Kassier Bruno Nussberger. Ihm sei es ein Anliegen, den Gästen – meist Kinder und Familien – ein preisgünstiges und trotzdem interessantes Freizeitangebot zu bieten.

Die anfallenden Kosten werden durch den Verkauf von Skiabonnementen, die Mitgliederbeiträge, Spenden und Gönnerbeiträge und verschiedene Aktivitäten finanziert. Im neu umgebauten Skiliftwagen werden Punsch und Süssigkeiten verkauft und der Verein nimmt jeweils am Hutziker Weihnachtsmarkt teil.

Ein wichtiges Standbein ist der jährliche Racletteplausch; der achte findet am 13. Februar statt (Anmeldung erforderlich). Bruno Nussberger hält fest: «Es ist Kreativität und Einsatz gefragt, um mindestens kostendeckend zu arbeiten.»

Der «jüngste» Lift in der Gegend ist jener in Wildberg. Betrieben wird er durch einen Verein mit vier Aktiv- und diversen Passivmitgliedern. Unterhalt und Betrieb erfolgen durch den Vereinsvorstand und die Fronarbeit vieler freiwilliger Helfer. Die Schneesportschule, welche am Skilift Schafbüel Kurse anbietet, ist privat organisiert und finanziell selbständig. Auch der Gastronomiebetrieb arbeitet für die eigene Kasse. «Wir haben eine saisonale Bewilligung für Lift und Infrastruktur», sagt Aktuarin Irene Christinger. Der Lift werde Ende Oktober aufgestellt und im April wieder abgebrochen, weil das Gelände ausserhalb der Skisaison landwirtschaftlich genutzt werde.

«Dank bereits zugesagten Sponsorengeldern und unserem Eigenkapital können wir die laufenden Kosten so weit decken», sagt Irene Christinger. Mit dem Barbetrieb am geplanten Nachtskifahren möchte man weitere Einnahmen generieren. Die Bar soll auch geöffnet werden, wenn kein Schnee liege. Dies werde aber spontan geplant.

Ein paar Flocken Hoffnung

Der Skilift Sternenberg ist als Genossenschaft organisiert. Die Generalversammlung findet normalerweise in der zweiten Novemberwoche statt. Danach richten drei bis fünf Personen den Lift ein. «Ist bei uns eine Sache von einem Morgen», weiss Präsident Adrian Gfeller. Die Aufsichtspersonen, die bei Betrieb den Lift überwachen, würden gleich bei der Inbetriebnahme des Lifts instruiert. Die Vorbereitungen verursachten keine Kosten, da für die Arbeitsstunden kein Lohn bezahlt werde. Überhaupt arbeite das Skiliftpersonal unentgeltlich, so Gfeller. Anfallende Kosten könnten normalerweise durch die Einnahmen aus dem Billetverkauf gedeckt werden. Im Januar und Februar sei der Lift meistens doch etwa 14 Tage in Betrieb. Weitere Aktivitäten sind in Sternenberg nicht geplant.

Die Umfrage bei den Skiliften der Region wurde am Montag gestartet. Da war es noch ziemlich mild und regnerisch. Inzwischen macht sich der Winter aber bemerkbar. Allerdings ziemlich zaghaft. Der Schnee reicht noch bei Weitem nicht aus, um Pisten zu präparieren. So schreiben die Betreiber des Skilifts Steg zum Beispiel, für eine gute Piste brauche es mindestens 40 Zentimeter Schnee. Bei Redaktionsschluss hiess es im Internet noch bei den Liften mit aktualisierten Einträgen, sie seien derzeit nicht in Betrieb. Frau Holle muss also noch kräftig Kissen schütteln.