Baumer wollen zurück in die Kirche

Die Baumer Gemeindeversammlung soll wieder in der Kirche stattfinden (Foto: Massimo Diana)

Die Baumer Stimmbürger haben am Montag entschieden, dass die Gemeindeversammlung zukünftig wieder in der reformierten Kirche stattfinden soll. Der Teilrevision der kommunalen Richt- und Nutzungsplanung haben sie ebenfalls deutlich zugestimmt.

Die Baumer Gemeindeversammlung vom Montag versprach Spannung. Erstens war die Teilrevision der kommunalen Richt- und Nutzungsplanung traktandiert, die jeden Bürger ziemlich direkt betrifft. Zweitens stand die von Marianne Schoch, Irma Frei und 90 Mitunterzeichnern eingereichte Initiative auf dem Programm, die eine Rückkehr der Gemeindeversammlung in die reformierte Kirche forderte. Die Initiative war eine direkte Reaktion auf einen Entscheid des Gemeinderates im letzten Jahr, die Gemeindeversammlung neu im Saal des gemeindeeigenen Gasthauses zur Tanne durchzuführen.

Für Marianne Schoch und ihre Mitstreiter ist diese Verlegung eine klare Verschlechterung. Natürlich solle Neues gewagt werden, doch wenn sich das Bewährte als besser herausstellt, dann müsse daran festgehalten werden, sagte Schoch am Montag vor 208 anwesenden Stimmberechtigten im Mehrzwecksaal der Schulanlage Altlandenberg. Dabei schilderte sie ihre Erlebnisse von der Gemeindeversammlung im Dezember, die bereits im «Tanne»-Saal stattfand. «Ich sass relativ weit hinten und konnte die Präsentation schlecht sehen. Im Saal war es ausserdem eng und heiss und beim Apéro musste man achtgeben, dass man nicht über die Stühle stolpert.»

Auf anderer Ebene angehen

Der Gemeinderat hatte seinen Entscheid unter anderem damit begründet, die «Tanne» dadurch ein wenig bekannter zu machen. Durch die Verlegung an einen nicht sakralen Ort erhoffte er sich zudem, dass sich auch vermehrt Stimmberechtigte angesprochen fühlen, die nicht der evangelisch-reformierten Landeskirche angehören. Beiden Argumenten widersprach Schoch am Montagabend. Eine Steigerung des Bekanntheitsgrades müsse auf anderer Ebene angegangen werden. «Zudem rühmen wir uns doch, eine tolerante und offene Kultur zu sein. Wenn das stimmt, dann kann man die Versammlung sehr gut in der Kirche abhalten.»

Dass sich Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) in der Wirtschaft deutlich wohler fühlt, als in der Mitte der Kirche, wo er sich «jeweils ein wenig wie ein Pfarrer» vorkomme, änderte nichts am deutlichen Resultat. Mit 101 Ja- zu 31 Nein-Stimmen wurde die Initiative angenommen, ohne dass vorher noch weitere Bürger das Wort ergriffen hätten, was Sudler ein wenig überrascht zur Kenntnis nahm. Für Gesprächsstoff sorgte einzig die Ankündigung Schochs nach Annahme der Initiative, ihr Begehren zurückzuziehen, wenn der Gemeinderat garantiere, die Versammlung wieder in der Kirche durchzuführen. Der Gemeinderat unterbrach die Versammlung für eine kurze, interne Diskussion. Er kam zum Schluss, dass es «rechtlich der sauberere Weg» ist, das Verfahren nun ordentlich zu Ende zu führen. Das heisst: Die Initiative, die eine Änderung der Gemeindeordnung verlangt, wird alsbald an einer Gemeindeversammlung vorberaten, bevor dann eine Urnenabstimmung folgt.

Ballenberg-Feeling für Stadtzürcher

Auch die Festsetzung der revidierten kommunalen Richt- und Nutzungsplanung, die in Bauma etwa 1 bis 1,5 Prozent jährliches Einwohnerwachstum in den nächsten 15 Jahren zulässt, gab kaum Anlass zu Diskussionen. Hochbauvorstand Paul von Euw (SVP) liess die lange Geschichte dieser Revision kurz Revue passieren und verwies unter anderem auf das Hin und Her der Gemeinde mit dem kantonalen Amt für Raumentwicklung (ARE). «Die vorgelegte Revision ist für den Kanton fast überbündig», sagte er. Dabei wurde auch klar, dass das ARE eine gehörige Portion bei der Festsetzung mitzureden hat. Das gilt auch für aus der Versammlung gestellte Änderungsanträge, wovon es am Montag nur einen gab und der angenommen wurde. Demnach sollen auf einer Parzelle im Gebiet Morgenwis gleich unter dem Bungert-Quartier neu ebenfalls zwei- statt eingeschossige Wohnhäuser erlaubt sein. Im Bungert-Quartier war dieselbe Aufzonung bereits Teil der vom Gemeinderat ausgearbeiteten Vorlage.

Zur Gesamtvorlage selbst äusserte sich einzig Othmar Hasler. Er fände es eine Schweinerei, dass Bauma 100’000 Quadratmeter Bauland (inklusive Reservezonen) abgeben müsse, damit die Stadtzürcher am Wochenende «bei uns Ballenberg-Feeling geniessen können». Und er rechnete vor, dass Bauma dadurch auf sehr lange Frist rund 500 Millionen Franken an Wertschöpfung verlorengingen. «Ich verstehe das einfach nicht.» Hasler warb aber nicht für eine Ablehnung, vielmehr wollte er mit seinem Votum zum Nachdenken anregen. Die Gesamtvorlage wurde mit 134 Ja-Stimmen angenommen.

Nach der Einbürgerung von Angelika Kögler war Schluss und es ging nach Hause. «Wir haben dieses Mal auf einen Apéro verzichtet», sagte Andreas Sudler. Diese Gemeindeversammlung sei aufgrund des Versandes der Weisung in alle Haushalte schon so ein wenig teuer.

Rolf Hug
Über Rolf Hug 146 Artikel
Redaktor
Kontakt: Webseite