Bald könnte es klappen mit dem Internet 

Freilandleitung im Schuepis bei Wila (Foto: rl)

Seit mehreren Jahren hat die Bevölkerung der Aussenwachten von Wila, Turbenthal und Bauma mit einem schlechten Internet- und Telefonanschluss zu kämpfen. Dies könnte sich bald ändern. Derzeit liegen drei Grobkonzepte vor, wie man die Gebiete besser erschliessen könnte.

Obgleich häufig von der digitalen Gesellschaft die Rede ist, gibt es einzelne Ortschaften, die über keine oder nur eine mangelhafte Internetverbindung verfügen. So beispielsweise die Huben (Ottenhub, Manzenhub, Hinter- und Vordereich und Schuepis) sowie auch das Steinenbachtal bei Wila. Sowohl der Telefon- wie auch der Internetzugang ist dort sehr eingeschränkt.  Die Problematik ist seit Jahren bekannt. Lange Zeit wurde das Problem verdrängt, bis die Swisscom letzten Sommer die Bevölkerung wissen liess, dass demnächst nur noch digital telefoniert werden könne. Seither, monieren Kritiker und Betroffene, wurde auch der Gemeinde Wila bewusst, dass man etwas machen müsse – die Beschwerden häuften sich.

Swisscom-Schreiben als Auslöser

Da viele EinwohnerInnen der betroffenen Gebiete auf keine ausreichende Internetverbindung zurückgreifen können, ist der neue IP-Anschluss, auch wenn er von der Swisscom angepriesen wird, nichts mehr wert. Zurzeit hat die Swisscom eine Gnadenfrist von wenigen Monaten eingeräumt, danach wird der analoge Anschluss endgültig abgestellt. Wie frappierend die Versäumnisse in der Vergangenheit hinsichtlich der Erschliessung des Internets in den Aussenwachten waren, manifestierte sich Ende August 2017 im Zuge einer Informationsveranstaltung. Ein Einwohner der Huben bemerkte in den Plänen der Swisscom, dass diese Lü-cken aufwiesen. So fehlen beispielsweise Rohre, die bereits eingebaut wurden, als man die Werkleitungen ersetzte (siehe Box). An der Infoveranstaltung stelle Sacha Huber, Werkvorsteher von Wila, zwei Grobkonzepte in Aussicht für anfangs 2018.

Nun liegen die Grobkonzepte der Swisscom, Energie des Kantons Thurgau (EKT) sowie Smaro (Langstrecken Wi-Fi) vor und wurden studiert. Huber, der in den letzten Monaten dauernd im Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der betroffenen Gebiete stand und sich engagierte, um eine Lösung zu finden, organisierte am 20. und 27. Januar erneut Informations- und Planungsveranstaltungen mit den BewohnerInnen im Steinenbachtal sowie den Huben im alten Primarschulhaus in Wila. Dort präsentierte er die Ergebnisse der drei Varianten, zeigte die Schwierigkeiten und mögliche nächste Schritte auf. Sowohl das Grobkonzept der Swisscom wie auch das von der EKT seien sehr gut, erklärt Huber. Der Unterschied der beiden Varianten ist primär, dass bei der Swisscom eine Abstufung stattfindet, basierend auf den Leitungslängen. Konkret können so nicht alle Haushalte gleich angeschlossen werden und dementsprechend wäre die Internetverbindung je nach Zone unterschiedlich. Die Swisscom möchte das Gebiet mit der Variante «Fiber to the Street (FTTS)» erschliessen, einer Netztechnik, wo die letzte Meile über das bereits vorhandene Kupferkabel erschlossen würde, das EKT setzt auf «Fiber to the Home (FTTH)», diese Netztechnik existiert bereits heute in Schmidrüti.

Huber hat die Swisscom mehrmals gebeten in ihrem Konzept ebenfalls die letzte Meile zu sanieren, da die Freileitungen bei vielen Hausanschlüssen mehrere Jahrzehnte alt sind und dringender Sanierungsbedarf bestehe. Die FTTS-Variante sei zwar günstiger, so Huber, wenn aber wie in Steinen eine Strassensanierung vollzogen wird, bei der gleich noch ein Leerrohr kostengünstig verlegt werden kann, sollte die Swisscom hier ebenfalls mitziehen und anschliessend die alten Freileitungen ersetzen. Die dortigen BewohnerInnen haben sich im Sommer 2017 für das Leerrohr entschieden und einen hohen Anteil daran aus der eigenen Tasche bezahlt. Aus diesem Grund wird nun die Option der EKT von den BewohnerInnen im Steinen und in den Huben bevorzugt, nicht nur weil dadurch alle mit dem gleichen Anschluss ausgestattet würden, sondern vor allem, weil anschliessend das gesamte Gebiet erschlossen ist – ohne erneuten Sanierungsbedarf für die nächsten Jahrzehnte.

Gemeinsame Lösung geplant

Das Ziel von Huber ist es, dass neben den Aussenwachten in Wila auch die schlecht erschlossenen Gebiete in Turbenthal und Bauma gemeinsam eine Lösung finden und sich für ein einheitliches Erschliessungskonzept entscheiden – favorisiert wird derzeit die Variante des EKT. Aus diesem Grund sprach der Wilemer Werkvorstand in den letzten Tagen mit Erich Pfäffli, dem Tiefbauvorstand in Turbenthal und Hans Rudolf Spörri, Vorsteher der Werke in Bauma. Pfäffli bevorzugt die Option EKT. Sollte man sich für eine gemeinsame Lösung entscheiden, so könnte auch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) davon profitieren, betont Huber. Denn bei der Option Swisscom wie auch der EKT ist man auf die Infrastruktur des EKZ und dementsprechend auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen – bei einem Gebiet mit insgesamt 600 Anschlüssen könnte das für die EKZ ein «Vorzeige-Pilotprojekt für den Glasfaserbau» werden, sagt Huber.

In politischer als auch in finanzieller Sicht sei das Projekt für die EKZ attraktiv, da viele Freileitungen existieren, die in die Erde verlegt werden sollten, weil sie nicht standfest sind, erklärt der Wilemer Gemeinderat. Sollten sich die Werkvorsteher für eine gemeinsame Lösung entscheiden, so würde eine Detailprüfung vorgenommen und Huber könnte einen Kreditantrag für die Ausarbeitung eines Detailkonzeptes in den nächsten Wochen in den Gemeinderat tragen. Nur mit einem Detailkonzept sei es möglich, dies an den Kantons- und Regierungsrat und an die Vereine Pro Zürcher Berggebiet oder Patenschaft Schweizer Berggemeinden heranzutragen, in der Hoffnung auf eine finanzielle Unterstützung. In den kommenden Tagen werden die Gemeinderäte Huber, Spörri und Pfäffli mit der EKZ das Gespräch suchen.

Dass in den Aussenwachten nun etwas geschieht und Huber proaktiv auf der Suche nach einer Lösung ist, ist für die betroffenen EinwohnerInnen mittlerweile mehr als nötig. Eine Einwohnerin im Vordereich erklärte, dass sie seit dem 26. November kein Fernseh-, Internet- und Telefonanschluss mehr habe. Vieles wurde in den vergangenen Jahren hinsichtlich der Internet- und Telefon-Erschliessung versäumt.

WAS BISHER GESCHAH
Versäumnisse:
Laut Aussagen von Einwohnern wurde anfangs Jahr eine 800 Meter lange Freilandleitung von der Cablex AG, einer Tochtergesellschaft der Swisscom, zwischen Eich und Schuepis ersetzt. Laut der Swisscom seien Masten (wenn überhaupt) ersetzt worden. Sollte das Vorgehen stimmen, wäre dies fragwürdig, da Rohre bereits zur Verfügung stehen in den Werkleitungen. Seit 2014 wurden bis nach Manzenhub Werkleitungen verlegt. Dass die Swisscom und die Gemeinde lange nicht auf dem aktuellsten Stand waren mit ihren Plänen, sei auf die Zeit vor 2014 zurückzuführen, sagen Einwohner. Dabei sei zwischen der Cablex und weiteren involvierten Akteuren, so beispielsweise dem Ingenieurbüro Weber, vereinzelt wenig transparent kommuniziert worden. Das Ingenieurbüro wurde 2014 geschlossen, dabei habe es das Archiv mit allen möglichen Plänen ver- nichtet. Einzelne Einwohner der Huben glauben, dass in der Vergangenheit die unterschiedlichen Akteure, inklusive die Gemeinde, sich die Verantwortung für die Planungsfehler gegenseitig in die Schuhe geschoben hätten, nach der Sentenz: «Wo jeder zuständig ist, ist keiner verantwortlich.» Dem Gemeinderat Sacha Huber rechnen selbst seine Kritiker sein Engagement zugunsten einer Lösungsfindung in den letzten Monaten hoch an.

EKZ Eich-Saland:
Währenddem die Telefonleitung für die EinwohnerInnen der Huben über Pfaffberg läuft, erhalten sie den Strom über die Freilandleitung (Mittelspannung) Saland-Eich. Diese soll nun verkabelt und in den Boden verlegt werden. Da das Teilstück Eich-Saland durch ein Gebiet führt, das als «Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler» aufgelistet ist, wurden vom Bundesamt für Umwelt Auflagen gemacht, die besagen, dass die heutige Mast-Trafostation Eich in eine Gebäude-Trafostation umgewandelt werden muss. Da das EKZ allerdings bezweifelt, dass eine Gebäude-Trafostation am bestehenden Standort der Mast-Trafostation bewilligungsfähig wäre, ist es derzeit mit den Bundes- und Kantonsbehörden in Kontakt, um die Bewilligungsfähigkeit zu sondieren.