Auf dem Weg nach «Eulachtal»

Die Bewertung der Projektvorschläge durch die Gemeindemitglieder bildete einen wichtigen Teil des Infoabends (Foto: zVg)

Die reformierten Kirchgemeinden Elgg, Elsau und Schlatt sind seit geraumer Zeit gemeinsam unterwegs, um einen Zusammenschluss der drei Gemeinden zu prüfen. Am vergangenen Montag fand in Schlatt ein Informationsabend statt, an dem die Gemeindeglieder mehr über den Stand der Dinge erfahren konnten.

Die Kirchenpflegepräsidentin Verena Wüthrich begrüsste die Anwesenden, sichtlich erfreut über die zahlreich erschienenen Gäste. Sie verriet dem Publikum, dass sie eine Wette verloren habe, habe sie doch mit ungefähr zwanzig Besucherinnen und Besuchern gerechnet. Gekommen sind an die vierzig interessierte Schlatterinnen und Schlatter. Auch noch nicht ergraute Häupter waren unter den Anwesenden auszumachen. Ein Anlass zur Freude.

Um Synergien und bestehende Ressourcen besser zu nutzen, hat die Zürcher Landeskirche den Prozess des Zusammenschlusses von Gemeinden angestossen. Diese Massnahmen sind keine Sparübungen im eigentlichen Sinn. Es gilt zu überlegen, wo Kräfte gemeinsam eingesetzt werden können, ohne lokal Gewachsenes zu verlieren.

In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde in den vergangenen Monaten emsig gearbeitet. Anhand einer PowerPoint-Präsentation wurde den Gästen aufgezeigt, zu welchen Resultaten die Überlegungen geführt haben.

Kirchenpflege wird strategisch arbeiten

Als erstes präsentierte der Liegenschaftenverwalter Peter Egloff ein Organigramm, welches aufzeigt, wie eine Kirchgemeinde «Eulachtal» strukturell aussehen könnte. Die Organisation wird schlanker, die sieben Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger – nach Möglichkeit drei Personen aus Elgg, und je zwei aus Elsau und Schlatt – arbeiten strategisch. Die operativen Tätigkeiten werden von fünf Teams wahrgenommen, denen mehr Freiraum gewährt und mehr Selbstverantwortung übertragen werden soll.

Die Katechetin Katharina Peter-Schoen unterstrich die Wichtigkeit, dass insbesondere die Angebote für die Kinder lokal, sprich vor Ort, stattfinden müssen. Jugendliche sind jedoch in der Lage, den Konfirmationsunterricht auch in einer anderen Gemeinde zu besuchen, umso mehr die Oberstufe für Schlatt bereits in Elsau beheimatet ist. Ein Konf-Lager könnte gemeinsam mit allen Jugendlichen durchgeführt werden, die Konfirmation würde dann wieder lokal im eigenen Wohnort stattfinden. Für Katharina Peter-Schoen bietet ein Zusammenschluss zudem den Vorteil, vermehrt mit den Katechetinnen der Gemeinden Elgg und Elsau zusammen zu arbeiten, eine Stellvertretung bei Abwesenheit ist so gewährleistet.

Pfarrer Kurt Gautschi betonte, dass sich das Gottesdienst-Leben in Schlatt durch einen Zusammenschluss nicht gross verändern würde. Seine Vision: Weniger Gottesdienste, dafür mehr Besucherinnen und Besucher, weniger Gleichheit, mehr Vielfalt. Die Pfarrpersonen aus den drei Gemeinden könnten sich gegenseitig vertreten und im Notfall wäre immer eine Pfarrerin oder ein Pfarrer zur Stelle. Jede Pfarrperson hätte ihren Ortsbezug, würde sich jedoch je nach Neigung eher auf die Jugend-, Familien- oder auf die Altersarbeit ausrichten. Auf die Frage aus dem Publikum in Bezug auf die gelebte Ökumene, meinte Gautschi, dass die Zusammenarbeit mit den Katholiken in Elgg und Elsau durch einen Zusammenschluss nicht aufgekündigt würde. Es ist der künftigen Kirchgemeinde «Eulachtal» ein Anliegen, dass auch in Zukunft die Ökumene gepflegt wird.

Zwei Projekte mit Ausstrahlungskraft

Die Kirchenpflegepräsidentin informierte darauf über die finanziellen Folgen eines Zusammenschlusses. Alle drei Gemeinden sind im Finanzausgleich. Auch als «fusionierte» Gemeinde Eulachtal würden die Steuerprozente bei 14 Prozent bleiben. Die Pfarrstellenprozente orientieren sich an der Anzahl Mitglieder. Die Lohnkosten der Pfarrpersonen werden von der Landeskirche getragen. Auch die allfällige Projektpfarrstelle würde von der Landeskirche übernommen. Um die Pfarrpersonen zu entlasten, soll die Sozialdiakonie aufgestockt werden. Auch das Sekretariat soll mehr Stellenprozente erhalten. Man bedenke, dass die Sekretariatsarbeiten in Schlatt zurzeit durch den Pfarrer und die Kirchenpflegepräsidentin erledigt werden…

Für spezielle Projekte würde die Landeskirche allenfalls eine Projektpfarrstelle genehmigen. In den vergangenen Monaten wurden deshalb zwei Projekte mit grosser Strahlkraft erarbeitet. Da steht zum einen das Projekt «AAA – Triple A». Die drei A stehen für Schlatt mit seiner unversehrten Natur, Elsau mit kulinarischen Angeboten (die entsprechende Infrastruktur ist dort vorhanden) und Elgg mit dem grossen Kirchenraum für kulturelle Anlässe wie Konzerte. Dieses Projekt steht für eine Kirche, die zu den Menschen hingeht.

Zum anderen soll ein «24-Stunden-Haus» in Elgg entstehen, ein Zentrum, das für alle Menschen während 24 Stunden offen sein soll, für Ruhe Suchende, für Einsame, für Hilfe Suchende, für Fröhliche und Gesellige, für Singende und Spielende. Damit ist eine «Komm-Kirche» gemeint, die Menschen kommen bewusst an diesen Ort hin. Welches der beiden Projekte findet wohl bei der Bevölkerung Anklang?

Abstimmung im Dezember

Prozessbegleiter Frieder Furler erläuterte den Zeitplan von heute bis 2020. Von Januar bis März 2018 stehen drei Informations-Anlässe auf dem Programm, wobei derjenige von Schlatt nun bereits der Vergangenheit angehört. Im Dezember dieses Jahres stimmen die drei Gemeinden über einen Zusammenschluss ab. 2019 würden dann die Wahlvorbereitungen in Angriff genommen. Neben der neuen Behörde müssen auch die Pfarrpersonen gewählt werden. Ein Zusammenschluss ist auf den 1. Januar 2020 geplant.

Die Aufmerksamkeit im Publikum war gross, die vielfältigen Fragen und die überaus rege Diskussion zeigten, dass es den Schlatterinnen und Schlattern wichtig ist, wie es mit ihrer Kirchgemeinde weitergeht.

Nach den umfangreichen Informationen waren nun die Anwesenden gefragt. Die Aussagen auf den an den Wänden präsentierten Folien sollten mit Punkten bewertet werden. Ein roter Punkt bei Widerstand oder Fragen, ein grüner Punkt bei Einverständnis. Erfreulich, wie viele grüne Punkte im Anschluss von den Wänden blinkten.

Das Votum eines Besuchers war für das Veranstaltungsteam besonders ermutigend: Er zeigte sich beeindruckt von der Freude und vom Engagement der Beteiligten und sieht im möglichen Zusammenschluss eine Chance zum Aufbruch zu Neuem. Positive Echos waren auch über die neugestaltete gemeinsame Gemeindeseite «reformiert.eulachtal» zu
hören.

Mit einem Glas Wein und einem kleinen Imbiss bedankte sich die Kirchenpflege für das zahlreiche Erscheinen, die angeregten und anregenden Diskussionen und das positive Echo auf den Anlass. Ein informativer Abend, der zu einem guten Gelingen des Zusammenwachsens beitragen wird.