Auch in Bauma regt sich der Widerstand

Beim Bahntunnel in Lipperschwendi sollen an beiden Portalen Sendeanlagen entstehen. Dazwischen liegen Wohnhäuser (Fotos: Kai Hicks)

Verschiedene der geplanten Antennenmasten entlang der Tösstalbahn stossen auch in Bauma auf Skepsis. Nicht nur private Grundeigentümer haben gegen die Pläne der SBB Einspruch erhoben, sondern auch die Gemeinde. Diese argumentiert mit dem Schutz des Orts- und des Landschaftsbildes.

Der Widerstand gegen die von der SBB geplanten Antennenmasten entlang der Bahnlinie Winterthur – Rüti weitet sich aus. Die SBB plant, an dieser Strecke 13 neue Sendeanlagen für ihr neues digitales Funksystem GSM-R zu errichten. Die geplanten Antennenmasten sind teilweise über 20 Meter hoch und stehen dicht an der Bahnlinie. Ihre Standorte sind seit einigen Wochen mit Visieren markiert. Anfang Juni hat der Gemeinderat Zell einstimmig beschlossen, gegen zwei Sendeanlage-Standorte aus ortsbildlichen Gründen Einsprache zu erheben. Kurz vor Ende der Einsprachefrist Mitte Juni hat auch die Gemeinde Bauma Einspruch gegen zwei Antennenstandorte erhoben: Es geht um einen Antennenmast beim Bahnübergang Rittweg und einen beim Bahnhof Bauma. Gegen die anderen Standorte auf ihrem Gebiet erhebt die Gemeinde keine Einsprache.

Antenne neben der alten Bahnhofhalle

Gemeindepräsident Andreas Sudler erläuterte auf Anfrage, dass ortsbildschützerische Gründe für die Einsprache der Gemeinde ausschlaggebend waren: «Die Antennenmasten stehen durchwegs in der Nähe von bewohnten Liegenschaften oder von Denkmalschutzobjekten. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb ein solcher Mast beispielsweise in unmittelbarer Nähe der alten Bahnhofhalle stehen soll.» Der Mast beim Bahnhof Bauma liegt zudem in der Kernzone sowie innerhalb des Perimeters eines schutzwürdigen Ortsbildes von überkommunaler Bedeutung. Ausserdem stehen in der Nähe mehrere Denkmalschutzobjekte von regionaler Bedeutung. Der Baumer Gemeinderat würde eine gemeinsame Nutzung der bestehenden Antennenanlage auf der Liegenschaft Heinrich-Gujer-Strasse 11 vorziehen. Sollte dies aus technischen Gründen nicht möglich sein, erwartet er von der SBB einen Vorschlag für einen Alternativstandort ausserhalb der Kernzone und mit angemessener Distanz zu den regionalen Denkmalschutzobjekten. Für Gemeindepräsident Sudler ist auch der Mast im Rittweg «sehr prominent» platziert. Dieser würde das Landschaftsbild prägen und damit markant verändern. Hier fordert der Gemeinderat den Verzicht auf diesen Antennenstandort, mangels Einordnung in die Umgebung und der geringen Distanz zu Wohnhäusern.

Der geplante Antennenmast beim Bahnhof Bauma steht in der Kernzone sowie in der Nähe verschiedener Denkmalschutzobjekte
Der geplante Antennenmast beim Bahnhof Bauma steht in der Kernzone sowie in der Nähe verschiedener Denkmalschutzobjekte

Sudler zielt mit der Einsprache darauf ab, mit der SBB über bessere Standorte diskutieren zu können: «Wir möchten, dass abgeklärt wird, ob die Antennen der SBB auch auf bereits bestehenden Antennenmasten installiert werden können.» Der Baumer Gemeindepräsident gibt zu, dass er mit der Gemeinde Zell Kontakt hatte, um zu erfahren, wie diese ihre Einsprache begründet habe.

Zwei Antennen in kurzer Folge

Im Ortsteil Lipperschwendi, wo die Bahnlinie durch einen kurzen Tunnel führt, sind an beiden Portalen Sendeanlagen vorgesehen. Werner Berger, Mitbesitzer eines 250-jährigen Flarzhauses, welches leicht versetzt über dem Tunnel steht, hat ebenfalls eine Einsprache eingereicht. Das Mehrfamilienhaus würde zwischen den beiden Masten stehen. «Die Strahlungskreise der beiden Antennen kreuzen sich im westlichen Gebäudeteil», kritisiert er. Dies sei problematisch, zumal die Mieter nicht nur wohnen, sondern auch arbeiten. «Diese Personen wären also ununterbrochen der Strahlung ausgesetzt.» Berger weist zudem darauf hin, dass die gesetzlichen Grenzwerte für nichtionisierende Strahlung nicht für einen permanenten Aufenthalt im Haus ausgelegt seien.

In seiner Einsprache fordert er die SBB auf, den westlichen Antennenmasten etwa 80 Meter Richtung Bauma zu versetzen und auf den östlichen Masten zu verzichten. Eine unterirdische Leitung soll die westliche Antenne mit der nächsten in Steg geplanten Antenne verbinden. Sei die SBB mit diesem Vorschlag nicht einverstanden, habe diese nachzuweisen, dass auf dem Vorplatz und im westlichen Gebäudeteil keine übermässige Strahlung zu erwarten sei. Berger schätzt, dass in Lipperschwendi rund zehn Hauseigentümer ebenfalls gegen die Antennenstandorte Einspruch erhoben haben. Etwas weiter östlich von Bergers Wohnort, ebenfalls direkt an der Bahnstrecke Bauma – Wald, liegt auch das Alters- und Pflegeheim Blumenau. Heimleiter Felix Graf bestätigte auf Anfrage, dass auch er eine Einsprache verfasst und ans Bundesamt für Verkehr nach Bern geschickt habe, ohne auf Details einzugehen.

Alle vom «Tößthaler» kontaktierten Einsprecher betonten, dass es ihnen vor allem darum geht, mit der SBB bessere Lösungen für die Antennenstandorte auszuhandeln. Wie weit dies möglich sein wird, ist auch eine Frage der technischen Voraussetzungen. So ist bis jetzt nicht klar, ob die neuen Sendeanlagen aus technisch zwingenden Gründen direkt an der Bahnstrecke stehen müssen, oder ob bei der Standortwahl vor allem darauf geachtet wurde, die Masten auf SBB-Land zu platzieren.