Angefressen von Teigwaren in allen Variationen

Die Fotoaufnahme lässt erahnen, wie vergnüglich der Sonntagnachmittag mit dem Ausstellungsgast Urs Amstad sein wird (Foto: Fritz Fuhrimann)

Urs Amstad präsentierte seine umfangreiche Teigwarensammlung im provisorischen Ortsmuseum in Turbenthal. Er spürt die verschiedensten Arten von Teigwaren seit Jahren auf, denn sie zu entdecken und Erlebnisse damit zu verknüpfen, das bereitet ihm viel Vergnügen.

Urs Amstad ist die Begeisterung am Produkt Teigwaren richtiggehend anzumerken. Der kürzlich 64 Jahre alt gewordene, gelernte Koch übernahm vor einem Jahr das Restaurant Frohsinn in Bauma. Als er vom Bündnerland, wo er vorher lange sesshaft war, ins Tösstal zügelte, kamen auch über 1000 verschiedene Teigwarensorten mit. Sie sind sein Steckenpferd oder anders formuliert, sie springen ihn überall schlichtweg an. Er findet sie an allen erdenklichen Orten; bestimmt hat er eine gute Spürnase, die er sich als jahrelanger Lawinenhundeführer im Bündnerland angeeignet hat. Geht Amstad in ein Restaurant, muss er fast zwanghaft Teigwaren mit Sauce bestellen, weil es ihn interessiert, wie sie da zubereitet werden. Im Ausland ist ein Besuch in einem Supermarkt in der Pasta-Abteilung sozusagen Pflichtprogramm.

Italienisches Geschmacksvergnügen

Seinen Ursprung hat das Hobby bei Urs Amstad in Italien, wo er vor rund 20 Jahren auf wirklich schöne Teigwarensorten aufmerksam wurde. Er nahm sie mit nach Hause und sah sich fortan auch bewusster in der Schweiz um. Einmal, so erinnert er sich, schrieb er eine einheimische Produktionsfirma an und erzählte von seiner Sammlung. «Unglaublich, was ich da alles für verschiedene Pastasorten bekam», schmunzelt der Baumer Wirt.

Teigwaren in Gläsern und Verpackungen

Ein anderes Mal weilte er in Italien, genoss in einem Restaurant in der Umgebung von Neapel einen Teller Spaghetti. Er machte den Wirt auf sein Hobby aufmerksam, worauf ihm dieser eine Führung in einer nahen Teigwarenfabrikation vermittelte. Das sei sehr eindrücklich gewesen, erzählt Urs Amstad. «Da gab es 60 Jahre alte Geräte zur Herstellung, die Zutaten für die Pasta stammten fast alle aus Eigenproduktion.» Aber das Geheimnis für jenes feine Produkt lag am Ende wohl bei der langen Trocknungszeit, meint er abschliessend dieser lebhaften Schilderung.

Für die beachtliche Sammlung verwendet der Teigwarenliebhaber Gläser, die teils auch farbenfroh wirken, denn in das Lebensmittel wird oft ja auch Gemüse wie Spinat, Tomaten, Peperoni und was auch immer eingemischt. Wo die Verpackung selber im Aussehen etwas hergibt, bewahrt Amstad die Teigwaren in der Originalverpackung auf.

Derzeit muss die Sammlung allerdings ein Mauerblümchendasein fristen. Anders als im Bündnerland, wo er seit 1982 an verschiedenen Orten tätig war. Dort konnte der Wirt sie in seinem Restaurant präsentieren. Lange führte er das Bergrestaurant Brüggerstubä, bevor er zuletzt noch drei Jahre lang ein Hotel im Hochwanggebiet leitete. Die Teigwarensammlung bildete einen Blickpunkt und es gab Gäste, die kamen extra deswegen ins Lokal. Die Verbundenheit mit dem Bündnerland ist Amstad nach wie vor anzumerken. Dennoch verliess er den Kanton Graubünden. «Es war die Liebe, die mich ins Tösstal führte», sagt er. Seine in Schalchen wohnende Partnerin vermochte ihn in die Gegend zu locken, und da in Bauma der «Frohsinn» offensichtlich nur auf ihn gewartet hatte, stieg er als Wirt und Alleinkoch ein.

Ein Glücksfall dabei ist, dass ihm bei den damaligen Abklärungen so quasi noch Judith Beyeler als Unterstützung in die Arme lief. Zusammen führen sie das Lokal, wo es auf der gutbürgerlichen Speisekarte – man ahnt es sicher – auch Spezialitäten aus dem Bündnerland gibt.

Turbenthaler Museum als besonderer Ausstellungsort

Am Sonntag 13. August hat Urs Amstad grosse Teile seiner Sammlung ausgestellt. Aufgelockert wurde die Präsentation durch Kochbücher mit Pastagerichten aus seiner rund 150 Bücher umfassenden Sammlung. Zudem verfügt der Wirt über ein sprühendes Naturell. In ihm stecken eine Menge Ideen; deshalb trat der Ortsmuseumsverein für einen Nachmittag in die zweite Reihe und überliess ihm so quasi die Rolle des Hausherrn.

www.ortsmuseum-turbenthal.ch