Altes Gemeindehaus wird saniert

Das Jahr 2018 wird für die Gemeinde Wildberg das Jahr der Investitionen: Diese sind mit über 900’000 Franken veranschlagt (Foto: md)

Allen acht Behördenanträgen haben die Wildberger Stimmberechtigten am Mittwochabend in der Kirche meistens fast einstimmig zugestimmt. Einiges zu klären und diskutieren gab es zum Sanierungsprojekt altes Gemeindehaus. Und die Schule durfte über ihr Erfolgsmodell Tagesstruktur berichten.

Im Vorfeld der jährlichen Budgetgemeindeversammlung luden der Gemeinderat und die Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung zur Eröffnung des Weihnachtsfensters Nummer 13. 52 Personen, entsprechend rund sieben Prozent aller Stimmberechtigten, nahmen ihre Bürgerpflichten wahr und bestimmten mit, was sich im Gemeindeleben 2018 mit dem zur Verfügung gestellten Geld machen lässt. Gemeindepräsident Dölf Conrad erklärte im ersten Traktandum, weshalb eine Auflösung des Zweckverbandes Abwasseranlage Bläsimühle Russikon und die Zustimmung zum neu gegründeten Zusammenarbeitsvertrag Pumpwerk Bläsimühle, eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft, zwischen den Politischen Gemeinden von Wildberg und Russikon nötig sei. «Das neue Gemeindegesetz mit Gültigkeit ab 1. Januar 2018 bringt es mit sich, dass alle Zweckverbände überarbeitet werden müssen». Die erste Änderung eines Zweckverbandes liege vor, weitere würden folgen, kündigte das Gemeindeoberhaupt an. Es gehe dabei primär um formelle Änderungen, erklärte Conrad. «De facto ändert sich für Sie als Stimmbürger nichts», ergänzte er. Der neue Zusammenarbeitsvertrag werde mehr Spielraum und buchhalterische Vereinfachungen mit sich bringen, so Conrad. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) empfahl der Vorlage zuzustimmen, was der Souverän auch einstimmig tat.

Investitionen in Wasserversorgung sind gebührenfinanziert

Gleiches taten RPK und die Stimmberechtigten zum Bruttokredit über 115’000 Franken zur Umstellung der Wasserversorgungssteuerung auf ein Rittmeyer-System und ein neues Prozessleitsystem. «Diese Investition ist gebührenfinanziert», machte Conrad klar. Er begründete diese Massnahme mit der Swisscom-Umstellung von analoger Datenübertragungsart auf die neue digitale namens VOIP (Voice over IP). 210’000 Franken machten die Anwesenden auch diskussionslos und einstimmig locker für die Erneuerungen der Wasserleitungen im Bereich Restaurant Frohsinn und Unterdorf. Dass diese Arbeiten gut koordiniert seien mit der Belagserneuerung auf der Wildbergstrasse Richtung Turbenthal und dem Neubau der Bushaltestellen im Dorf, die der Kanton in Auftrag gibt, liess Dölf Conrad nicht unerwähnt. In dieser Summe enthalten, ist ein Kredit von 6500 Franken für den Rückbau des maroden Pumpenhäuschens an der Schulhausstrasse. Ein solcher war schon mal im Budget 2016 vorgesehen, das von der legendären Gemeindeversammlung vom Dezember 2015 hochkantig abgelehnt wurde.

Altes Gemeindehaus wird Begegnungszentrum

Einzig zum Projekt Sanierung altes Gemeindehaus regten sich die Stimmberechtigten. Sie stimmten zwar dem behördlichen Kreditantrag von 436’000 Franken grossmehrheitlich zu, auch wenn Optionen zum weiteren Verwendungszweck des alten Gemeindehauses und einstigen Schulhauses nicht vorlagen. Dölf Conrad war es wichtig, aufzuzeigen, dass der Gemeinderat keine Salamitaktik betreiben und dem Stimmbürger heute eine Gesamtsanierung vorlegen wolle. Wohl wissend, dass die Kosten für die Gemeinde sehr hoch ausfallen. «Wir wollen nicht immer wieder mit Teilsanierungsprojekten wie in den Vorjahren vor Sie treten», schob er nach. Willy Suter zog die Diskussion nach dem Gesamtnutzen des 1820 erbauten Hauses an und machte den Gemeinderat darauf aufmerksam, dass bei der vorgesehenen Fassadenrenovation die kantonale Denkmalpflege mitreden werde, zumal das Haus seit dem 3. November 2015 als Schutzobjekt von kommunaler Bedeutung eingestuft worden sei. Suter erinnerte die Anwesenden ferner daran, dass schon früher eine Totalsanierung als tragbar eingestuft worden sei mit der Verpflichtung, das ganze Anwesen später zu verkaufen.

Der Gemeindepräsident und einige aktive Gemeindemitglieder wiesen darauf hin, dass Wildberg ab Januar 2018 nach der Schliessung des Restaurants Frohsinn über keinen Treffpunkt mehr verfüge ausser denjenigen des alten Gemeindehauses. Wohl auf Jahre hinaus werden Kirchenstube und Gemeindestube die einzigen Begegnungsmöglichkeiten für Wildberg sein, lautete der Tenor aus der Versammlung. Ex-Gemeinderat Willy Suter erinnerte die Anwesenden daran, dass vor wenigen Jahren ein Saalbedarf für 150 Personen eruiert worden sei. Für eine solche Menge Leute sei im alten Schulhaus kein Platz. Für solche Zwecke diene die Turnhalle oder Räumlichkeiten im Schulhaus, stellte Charly Bühler fest. Das weitere Interesse im Sanierungsprojekt fokussierte sich auf die Wiederinbetriebnahme des Chemi-
néeofens in der Kirchenstube oder dessen Stilllegung. Auf Antrag aus der Versammlung entschied man sich für die Ausserbetriebnahme des Ofens. Mit dem Anschluss des Hauses an die Fernwärme und dem Einbau neuer Fenster sei die Zeit des Frierens in der Kirchenstube vorbei, wurde festgestellt. Der Gemeinderat erhielt die Kompetenz, mit dem damit eingesparten Geld allenfalls weitere sinnvolle Renovationsarbeiten ausführen zu können.

Politische Gemeinde hat genug Geld für Investitionen

Vertrauen schenkten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dem Gemeinderat auch mit der diskussionslosen Gutheissung des Budgets 2018, das auch die RPK zur Annahme empfahl. «2018 wird das Jahr der Investitionen», sagte Gemeindepräsident Conrad. Noch nie habe die Gemeinde 922’000 Franken Netto-Investitionskosten ausgewiesen. Finanzchef Thomas Kupper zeigte aber keine Sorgenfalten deswegen: «Betrachtet über die nächsten Jahre, werden sich die Investitionen einpendeln», und fügte an: «Wir brauchen uns deswegen nicht zu verschulden und haben genügend eigene Mittel».

Kupper fokussierte sich in seinen Erläuterungen zum Budget 2018 auf interessante Aspekte. So machen im nächsten Jahr 100 Prozent Steuerertrag in Wildberg 1,905 Millionen Franken aus, während dieser Betrag im noch laufenden Jahr 1,782 Millionen beträgt. Diese Zahl basiert auf dem Steuerfuss für die politische Gemeinde von 41 Prozent. Das Eigenkapital belaufe sich auf 5,235 Millionen. Der Aufwandüberschuss, fast gleich hoch wie im Vorjahr, wird mit 53’000 Franken veranschlagt. Kupper rechnet mit Grundstückgewinnsteuern von 70’000 Franken, was dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre entsprach, sagte er. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit der Schulbehörde und dem externen Finanzberater Alfred Gerber, die für die beiden Güter zu einer guten Lösung im gemeinsamen Vorgehen geführt habe. Der Kanton werde 2018 den Wildbergern 151’000 Franken zukommen lassen (genannt ISOLA, individueller Sonderlastenausgleich des Kantons Zürich). Davon gehen 66’800 Franken  an die Gemeinde und die Schule bekommt 84’300 Franken.

In seinen Mitteilungen kam Dölf Conrad nochmals auf das weitere Vorgehen in Sachen Arbeitsgruppe Grüngutentsorgung zu sprechen. Er erklärte im Weiteren, weshalb die Bushaltestellen neu zu bauen seien. In diesem Zusammenhang werde der Kanton die neue Bushaltestelle Fahrtrichtung Turbenthal mit einer Strasseninsel sichern. Schliesslich appellierte er an seine Bevölkerung, sich rege an den Wahlen vom kommenden 22. April zu beteiligen.

Schul-Steuerfuss steigt auf 66 Prozent

Nach rund 90 Minuten übernahm Schulpflegepräsident Swen Rüegg das Zepter, beziehungsweise überliess Irene Christinger das Feld, um die Statutenänderungen des Schulpsychologischen Dienstes Bezirk Pfäffikon zu erläutern. Auch dies eine Folge des neuen Gemeindegesetzes, erklärte Christinger. Ihren Antrag winkte die Versammlung sang- und klanglos durch. Die Reihe war an Petra Jäger: Die Rechnungsführerin zeigte auf, weshalb die Schule ein Prozent mehr Steuern braucht und der Steuerfuss auf neu 66 Prozent steigen muss. Dank diesem und dem ISOLA-Beitrag werde die Schule nach Langem erstmals wieder einen kleinen Gewinn von 28’750 Franken verbuchen können. Dies bei Erträgen von 2,275 Millionen und Ausgaben von 2,246 Millionen Franken. Investiert werden rund 28’000 Franken, für neue Aussenbeleuchtungen und Deckendämmungen in der Pausenhalle. Ihre Finanzprognosen lassen ab 2021 kleine Hoffnungen für erste geringe Steuersenkungen aufkommen. Mit 120 Schülern im nächsten Schuljahr werde ein Höchstmass erreicht, rechnete sie vor. Mit dem Segen der RPK genehmigte der Souverän das Schulbudget 2018. Schulpflegerin Manuela Hochuli konnte mit einer Erfolgsmeldung aufwarten: «Den Kredit von 76’000 Franken für den Betrieb der Tagesstruktur müssen wir bei weitem nicht ausschöpfen». Dank hoher Elternbeiträge sei die neue Tagesstruktur mit einem Deckungsgrad von 96 Prozent fast selbsttragend. Mit gegen 30 Schülern sei klar aufgezeigt, dass die Tagesstruktur in Wildberg einem Bedürfnis entspreche.

Zum Schluss hiess es, den Voranschlag der Reformierten Kirchgemeinde gutzuheissen. Der Steuerfuss wird unverändert bei 14 Prozent verharren. Ein- und Ausgaben bewegen sich im gewohnten Rahmen mit wenig Veränderungen. Bei Einnahmen von 377’000 und Ausgaben von 413’000 Franken fehlen 36’000 Franken, die dem Eigenkapital belastet werden.

Wiederum nach Vorlesung des RPK-Abschiedes des RPK-Präsidenten Stefan Temperli hiessen die Kirchenmitglieder ihr Budget 18 auch gut. Präsidentin Monique Blattmann machte darauf aufmerksam, dass die Kirche auch eine wichtige Stellung im Gemeindeleben einnehme. So sei es nötig, dass man als Kirchgemeinde auffalle, mit einem Theater, wie dem eben erfolgreich angelaufenen Theater über Zwingli im Rahmen der 500 Jahre Reformationsfeier. «Wer lebendig ist und auffällt, hat bessere Chancen, selbständig zu bleiben, was die Kirchenpflege so lange wie möglich anstrebt», sagte sie zum Schluss. Wer deutlich nach 22 Uhr noch Lust hatte, konnte das Weihnachtsfenster der Gemeinde nochmals bestaunen. Dasjenige der Kirche bleibt bis an Heilig Abend traditionsgemäss geschlossen.

Wie weiter mit dem Neubau?

Wie es mit dem unvollendeten Neubau Sunnhaldenstrasse weitergeht, wird sich erst im Januar zeigen  (Foto: zVg)
Wie es mit dem unvollendeten Neubau Sunnhaldenstrasse weitergeht, wird sich erst im Januar zeigen (Foto: zVg)

Im Rahmen des Gemeindegesetzes fragte Edi Peyer an, was mit der «Neubauruine» Sunnhaldenstrasse, im Dorf «Silos» genannt, weiter passiere. Aufgrund noch laufender Rechtsverfahren dürfe der Gemeinderat keine weiteren Auskünfte erteilen, sagte Gemeindepräsident Conrad.

Die Liegenschaftenbesitzer, die Familie Hiddink, sei bisher mit ihren Projektänderungsvorstellungen sowohl beim Baurekursgericht wie auch kürzlich beim Verwaltungsgericht abgeblitzt. Derzeit laufe die Rekursfrist für einen allfälligen Weiterzug ans Bundesgericht. Erst im Januar 2018 werde klarer, was weiter passieren werde, ergänzte Conrad.