Alle Jahre wieder – die Gugger kommen

Guggemusig Turtalia auf dem Weg zum Kindermaskenball in der Grosshalle Tösstal 2017 (Foto: zVg)

Die Guggenmusig Turtalia hat Traditionsstatus in Turbenthal und hätte beinahe die Schweiz in den Arabischen Emiraten vertreten. Am 11. November reist der Verein für die Fasnachtseröffnung nach Zürich. Natürlich noch im alten Gwändli, aber zum ersten Mal mit ihren Instrumenten.

«Natürlich», sagt Gabriela Küng grinsend auf die Frage, ob man einfach mal in einer Probe vorbeischauen darf. «Wir haben gerne neue Leute, neue Mitglieder – wir freuen uns immer über Besuch!». Gabriela Küng ist seit zweieinhalb Jahren Präsidentin und schon über sieben Jahre stolzes Mitglied der Guggenmusig Turtalia. Und sie hat viel zu tun. Die Fasnacht steht vor der Tür. Die etwa 30 Mitglieder der Turtalia müssen koordiniert werden – professionell werden im Verein die Rollen verteilt. Im Gespräch erklärt Küng, wie die Aufgaben zugewiesen werden. Dass sie am 11. November nach Zürich fahren, hat zum Beispiel ihr Tourmanager Louis Werder geplant. «Er sucht uns die besten Events aus und plant die gesamte Tour der Fasnacht-Saison.»

Wer sich die Events auf ihrer Website ansieht, kommt zum Schluss, dass die Guggenmusig Turtalia einen recht guten Tourmanager haben muss. Oder zumindest einen beachtlichen Bekanntheitsgrad. Denn nebst den lokaleren Events in Turbenthal oder Winterthur sind die Guggers nicht nur nach Thun eingeladen, sondern reisen sogar bis Köln und – was? – Dubai.

«Neeeeein, eben nicht.» Gabriela Küngs Begeisterung weicht genervter Enttäuschung. Aber schon lacht sie wieder. Sie erklärt: «Bereits vor einem Jahr wurde die Turtalia von Organisatoren des Nationalfeiertags der Arabischen Emiraten für einen Gastauftritt in Dubai angefragt.» Wieso Dubai sich aus der Schweiz eine Guggenmusig wünscht und nicht wie vielleicht eher zu erwarten wäre, einen Jodelchor oder DJ Bobo, weiss Küng nicht. Doch auch vor ihnen gab es schon andere Guggenmusigen, die die Schweiz an diesem pompösen Fest vertraten. «Der Organisator scheint Guggenmusig einfach toll zu finden» sagt sie werweissend. Da die Anfrage letztes Jahr zu knapp für die Musikanten kam, durften sie ihre Teilnahme auf dieses Jahr verschieben. 25 Mitglieder standen auf dem Plan. Als Mitte Oktober das OK aus Dubai kam, wurden freudig die Flüge gebucht. Eine Woche später kam eine weitere, jedoch unerwartete Meldung: Die Organisatoren hätten doch nur Budget für zehn Guggen-Musikanten. «Mit nur zehn Guggern können wir die Schweiz unmöglich würdig vertreten» klönt Küng. «Sie hätten zu wenig Geld, die Arabischen Emirate hätten zu wenig Geld». Dass ausgerechnet das luxuriöse Emirat Dubai zu wenig Geld hat, dünkt Küng ironisch. Da kann sie auch wieder nur lachen und ist froh, dass sie wenigstens ihr Gwändli noch nicht dem heissen Wüstenklima angepasst hat. Trotzdem muss sie hoffen, dass der Verein das ausgegebene Geld für die Flugtickets wieder zurückerstattet bekommt.

Der Guggen neues Gwand

Von dieser Ernüchterung lässt sich die Turtalia den Fasnachts-Spass noch lange nicht verderben. Seit August proben die Guggen für ihren grossen Auftritt am 11. November. Dann werden sie mit ihren Instrumenten nach Zürich fahren, wo um 11.11 Uhr die Fasnacht auf dem Hirschenplatz eingeläutet wird. Jenste Guggenmusigen aus allen Teilen des Kantons, der Schweiz sogar, treffen sich da zum Musizieren, bevor sie die grosse Beizen-Tour antreten. Dies ist das erste Mal, dass die Turtalia-Guggers ihre Instrumente mit nach Zürich nehmen. Sie reisten zwar schon in den vergangenen Jahren regelmässig nach Zürich, doch nur im Gwändli «halt um die anderen Guggen anzufeuern» erklärt die Präsidentin. Aber wieso gehen sie am 11. nach Zürich? Gibt es in Turbenthal keinen Fasnachts-Event? «Nicht am 11. November, am 13. Januar feiern wir in Turbenthal. Am Nachmittag gibt es den Kindermaskenball. Der startet neu auf dem Gemeindeplatz. Die schönsten Kostüme der Kinder werden mit vielen tollen Preisen prämiert. Anschliessend gehen wir ins Gehörlosendorf – das ist auch schon Tradition. Die Bewohner freuen sich immer riesig, wenn wir spielen. Und zum Dank gibt es eine feine Gerstensuppe. Später am Abend findet dann der Maskenball für die Erwachsenen statt.»

Gabriela Küng freut sich auch sehr auf den Gwändlievent einen Tag vorher. Die Gugger wechseln alle zwei Jahre ihre Kostüme. Für die Gwändli gibt es natürlich auch eine zuständige Person – die Gwändlicheffin Gabriela Perrone. Mit ihrer Gwändlikommission suchte sie bisweilen die Stoffe und Schminken aus, welche dann auf die Mitglieder verteilt wurden. Hierbei konnte jeder Gugger ein individuelles Gwändli kreieren. Ganz aufgeregt erzählt Küng «dieses Jahr haben wir zum ersten Mal ein gemeinsames Motto. Zwar näht nach wie vor jeder sein Gwändli selbst – » und lacht «hoffentlich ergibt sich wie geplant eine Einheit.» Ihr Motto «ist natürlich streng geheim». Das heisst, dass sie am 11. November noch im alten Gwand nach Zürich fahren? «Ja klar, die neuen gibt es eben erst am Gwändlievent am 12. Januar zu sehen.»

Freude ist die einzige Voraussetzung

Wer die Turtalia Guggenmusig kennenlernen möchte: Auf ihrer Homepage erfährt man, wo und wann genau ihre Proben stattfinden. Ob zum Zuhören oder mitmachen, die Turtalia freut sich immer über neue
Gspänli. Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, braucht eigentlich nur zwei Voraussetzungen: «Freude an Musik und Freude an der Fasnacht» sagt Küng. Wer noch kein Instrument spielen kann, wird auch da unterstützt und «kann einfach mal zum Ausprobieren vorbeikommen. Wir bringen unseren Neu-Mitglieder das Musizieren herzlich gerne bei. Wir können auch Instrumente zur Verfügung stellen» frohlockt Küng verheissungsvoll. Wer da nicht gleich in die Guggenmusig einsteigen will, dem ist in Punkto Fasnacht wohl eh nicht zu helfen.

Weitere Infos zur Turtalia
Guggenmusig: www.turtalia.ch