«All diese Entwicklungen tun mir einfach weh»

Der langjährige Leiter des Baumer Hallenbades, Arthur Manz, findet die Variante «Erweiterung» völlig überrissen und deren Folgekosten für Bauma schlicht nicht tragbar (Foto: hug)

Arthur «Turi» Manz war knapp 37 Jahre Leiter des Baumer Hallenbades und hat dieses «zusammen mit dem ganzen Personal zu einer Marke gemacht», wie er sagt. Was jetzt alles rund um das Bad geschieht, betrachtet er mit Sorgen.

Kaum einer kennt das Baumer Hallenbad so gut wie er. Die Rede ist von Arthur Manz, von den Meisten nur Turi genannt. Knapp 37 Jahre leitete er die Geschicke des «Hallis». Er hat ein sehr erfolgreiches Kurswesen vor allem im Aquafit-Bereich aufgebaut. Und mit dem Tarzan-Parcours eine Attraktion für die jüngeren Gäste geschaffen. Hinsichtlich der Abstimmung über das Hallenbad vom kommenden 24. September hat sich der «Tößthaler» mit ihm zu einem Gespräch getroffen. Dieses fand in den Redaktionsräumlichkeiten in Saland statt:

Herr Manz, Sie haben fast 37 Jahre die Geschicke des Baumer Hallenbades geleitet und sind nun seit bald zweieinhalb Jahren pensioniert. Werden Sie wehmütig, wenn Sie wieder einmal im Hallenbad sind?

Arthur Manz: Ehrlich gesagt war ich seit meiner Pensionierung nie mehr im Hallenbad. Meine Frau und ich haben in unserer «Halli»-Zeit sehr viel erlebt. Noch heute liegt mir das Bad sehr am Herzen. Und auch seine Besucher. Mit vielen treffen wir uns noch regelmässig, vor allem den Senioren.

Und was sagen diese über das Hallenbad, gut zwei Jahre nach der Ära Manz?

Ich will hier nicht ins Detail gehen. Aber in der Tendenz nicht viel Gutes. Ich bin immer ein wenig Klagemauer. Es gibt Sachen, die in den letzten gut zwei Jahren wirklich schief gelaufen sind.

Das wären?

Meine Kritik richtet sich vor allem gegen den damaligen Gesamt-Gemeinderat, der die Findungskommission für meinen Nachfolger bestimmte. Diese bestand aus lediglich drei Personen: Der damaligen Gemeindepräsidentin Marianne Heimgartner, dem damaligen Gemeindeschreiber Andreas Strahm und einem Vertreter der Schule. Weder ein Vertreter des Hallenbades zum Beispiel vom Personal noch der Ortssektion der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft nahm darin Einsitz. Das war ein Fehler. Denn diese Personen kennen das Hallenbad bestens, während die Findungskommission in genannter Zusammensetzung höchstens oberflächliches Wissen über den Hallenbad-Betrieb besass.

Das ist eine happige Kritik. Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, dass der neue Leiter des Hallenbades ebenso wie ich in Bauma wohnen sollte, oder zumindest in der Nähe. Das ist bei meinem Nachfolger, Nardo Gramatica, und seinem Stellvertreter nicht der Fall. Er wohnt in Schmerikon, sein Stellvertreter in Au bei Wädenswil, beide also ziemlich weit weg. Schnell ereignen sich im Hallenbad aber Fälle, die den Leiter vor Ort erfordern und dieser vorbeigehen muss. Zum Beispiel wenn sich ein Gast schlecht benimmt, was auch schon vorgekommen ist, oder wenn es technische Probleme an der Anlagen gibt.

«Es gibt Sachen, die in den letzten gut zwei Jahren im Hallenbad wirklich schief gelaufen sind.»

Ausserdem bin ich der Meinung, dass der neue Bademeister eine technische Lehre absolviert haben müsste, die ihn befähigt, diverse Reparaturarbeiten selber zu erledigen. Ich hatte diese Lehre respektive dieses Wissen zu Beginn meiner Karriere im Hallenbad auch nicht. Doch war ich willens, mir dieses sehr schnell anzueignen. Zugute kam mir, dass mir handwerkliche Arbeiten schon immer sehr viel Spass gemacht haben. Heute wird im Hallenbad für jede zu reparierende Kleinigkeit ein Techniker gerufen. Das ist teuer und bezahlt letztlich unter anderem der Steuerzahler.

Weiter ist bei den Gästen die
Senkung der Wassertemperaturen schlecht angekommen, vor allem bei den Senioren, die durch das Aquafit-Kurswesen das wichtigste Kundensegment darstellen. Und auch die Schliessung des Tarzan-Parcours schmälert die Attraktivität des Hallenbades.

Diese Schliessung geschah aus Sicherheitsgründen, wie die Gemeinde mitteilte.

Ja, die Gemeinde stützt sich dabei auf die Beratungsstelle für Unfallverhütung, die übrigens nur Empfehlungen abgibt. Das ist meiner Meinung nach aber nur ein Vorwand. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass der Parcours geschlossen wurde, weil seine Wartung Arbeit gibt. Ich bin jeweils selbst die Seile hinaufgeklettert und habe zum Beispiel defekte Sitzteller ausgewechselt. Das war ein Krampf. Aber es hat sich gelohnt. Die Kinder konnten sich dort austoben und trainieren und der Parcours steigerte die Attraktivität.

Kurzum: In all den Jahren haben meine Frau und ich zusammen mit dem ganzen Personal das Hallenbad Bauma zu einer Marke gemacht. Heute ist es das weniger. Die ersten Kunden sind schon davongelaufen. Zudem hat das Hallenbad Bauma das tiefste Defizit aller Hallenbäder dieser Grösse in der Schweiz, die dem Gemeinwesen gehören, also zum Beispiel einer Gemeinde. Ich bezweifle, dass dies so bleiben wird. Und ich komme zum Schluss, dass in der Findungskommission andere Interessen mitgespielt haben. Dies hat letztlich der damalige Gesamt-Gemeinderat zu verantworten, der uns diese falsche Weichenstellung eingebrockt hat.

All das hört sich wie eine Art persönliche Abrechnung an.

Nein, das ist es nicht. Ich habe keine Profilierungsneurose. Und auch nichts gegen Herrn Gramatica persönlich. Mir liegen einfach das Hallenbad und auch die Gäste am Herzen. Und mir liegt auch der Steuerzahler von Bauma am Herzen. All diese Entwicklungen tun mir einfach weh.

Am 24. September wird in Bauma über das Hallenbad abgestimmt. Zur Debatte stehen eine Variante «Bestand» mit Kosten von rund 8,5 bis 9 Millionen und eine Variante «Erweiterung» mit Kosten von rund 13,5 Millionen. Zu welcher tendieren Sie?

Die Variante «Erweiterung» ist völlig überrissen. Die Folgekosten wären für Bauma schlicht nicht tragbar, und auch die Eintritte schnellten massiv in die Höhe, was übrigens «nur» mit der Variante «Bestand» wahrscheinlich der Fall sein wird. Zudem besteht schon heute ein Parkplatzmangel rund um das Bad. Für eine grobe Fehleinschätzung bei beiden Varianten halte ich die Reduktion des Bistros von heute 60 auf neu 15 Plätze. Das Bistro macht zwar Defizit, ist aber gerade bei den Senioren und Familien ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt. Heute ist es zwar nicht ausgelastet, aber zu gewissen Stosszeiten reichen 15 Plätze schlicht nicht aus. Die Folge: Das Bistro wird dadurch weniger genutzt, die Einnahmen sinken. Und einige Gäste, die das Gesellige mögen, verabschieden sich ganz vom Hallenbad.

«Die Senkung der Wassertemperaturen ist bei den Gästen schlecht angekommen.»

Wie ich genau abstimmen werde, kann ich aber noch nicht sagen. Ich warte jetzt erst einmal die Informationen der Gemeinde ab, die ja unglaublich spärlich flossen. Mit der Variante «Erweiterung» gefährdet der Gemeinderat übrigens die generelle Akzeptanz des Hallenbades. Denn rund 70 Prozent der Baumer Bürger nutzen dieses gar nicht. Und sie müssen ebenso überzeugt werden, dass das Hallenbad eine gute Sache ist.

Könnten sich nicht andere Gemeinden an den Kosten beteiligen, zum Beispiel in dem man einen Zweckverband gründet?

Einen Zweckverband schliesse ich völlig aus. Bauma hätte den Standortvorteil zulasten der anderen Gemeinden. Zudem sind die Finanzen in allen Gemeinde knapp. Keine Gemeinde hat noch Geld übrig für das Hallenbad der Nachbargemeinde. Möglich wäre aber, dass die Baumer einen tieferen Eintrittspreis als Auswärtige bezahlen würden.

Die IG pro Bauma, in der Sie im Vorstand sind, fordert wieder eine Hallenbadkommission. Weshalb?

Damit alle Interessenvertreter des Hallenbades eingebunden sind. Heute entscheidet ein Dreiergremium über die Strategie des Hallenbades. Es setzt sich aus einem Gemeinderat, jemandem aus der Verwaltung und dem Betriebsleiter des Hallenbades zusammen. Die Mehrheit dieses Gremiums ist viel zu weit weg vom Puls und kennt weder die Bedürfnisse der Nutzer noch die Materie. Das soll sich wieder ändern. Zum Beispiel könnte in der neuen Kommission auch ein Stammgast des Hallenbades aus Bauma Einsitz nehmen, der in keiner Behörde ist.

 

Rolf Hug
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