628 Beine standen für die Auswertung bereit im Morast 

Matthias Stahel mit «Hanuschka», der neuen Miss Turbenthal (Fotos: rg)

Insgesamt 157 Kühe brachten am vergangenen Samstag die Bauern aus einem grossen Umkreis an die Turbenthaler Gemeindeviehschau in Neubrunn. Der Experte Martin Gaffner blieb trotz Grossaufgebot die Ruhe selbst. Die Kuh «Hanuschka» wurde als Miss Turbenthal gekürt.

Die Gemeindeviehschau hat in Turbenthal eine lange Tradition, sie fand früher jeweils am Markttag statt. Jakob Sturzenegger, seit 1985 Mitglied der Schaukommission, erinnert sich, dass die Schau aufgrund einer sich bei den Tieren ausbreitenden Krankheit auch mal ausfiel. Ansonsten hat sie einen festen Platz im Jahresablauf. Den Austragungsort hat man schon längst nach Neubrunn verlegt, zum zweiten Mal fand sie auf der Wiese beim Hof Stahel statt. Die nahe Scheune konnte ganz praktisch zur gut besuchten Festwirtschaft umgestaltet werden. Dort konnte man sich über den Mittag mit einem währschaften Essen verpflegen. Mit der Mithilfe und einem Kuchenbuffet unterstützte der Frauenverein Neubrunn zum ersten Mal den Anlass freundschaftlich. Der Regen vom Vortag brachte es mit sich, dass sich am Samstagmorgen schon bald nach Eröffnung Morast bildete. Gutes Schuhwerk war also angesagt. Doch dafür wurde der anfängliche Nebel schon bald abgelöst von wärmenden Sonnenstrahlen. Die Stimmung auf dem Platz war gelöst und heiter. Man kannte sich und genoss es, ein paar Worte zu wechseln.

Beste Werbung für den Bauernstand

Die organisierende Schaukommission ist aktuell besetzt mit Gemeinderat Walter Fehr, Felix Stahel und Jakob Sturzenegger. Letzterer war auch zuständig für die Festwirtschaft. Zusammen mit Nathalie Stahel sorgte er für die Verköstigung in der Festwirtschaft. Die Kommission hat sich im Vorfeld stark engagiert und die Landwirte motiviert, mitzumachen. 157 Kühe standen bereit. Eine so grosse Anzahl ist alles andere als selbstverständlich. Experte Martin Gaffner aus Hirzel freute sich denn auch: «Das ist beste Werbung für den Bauernstand», meinte er und doppelte nach: «Macht weiter so!».

Zur Gemeindeviehschau sind Kühe zugelassen, wenn ihr Besitzer einer Viehgenossenschaft angehört. Im Vordergrund steht die Braunviehzuchtgenossenschaft Turbenthal und Umgebung, während die Besitzer der schwarz-weissen Holsteinkühe auswärts ihren Verbund haben. Am Samstag waren beiderlei Kuhsorten auf dem Platz, das Braunvieh etwas in der Überzahl. Holstein-Kühe sind dafür bekannt, dass sie in der Regel mehr Milch liefern, für die braune Rasse sprechen bessere Eigenschaften bei den Milchinhaltsstoffen. In der Rangliste werden die beiden Kuharten separat beurteilt.

Freude, mit den Kühen dabeizusein

Landwirte aus Oberhofen, Neubrunn, Seelmatten, vom Käfer, Schlatt, Tablat, Hofstetten und Tolhausen nahmen die Möglichkeit wahr, sich anhand der Expertenbeurteilung ein Bild darüber zu machen, wo sie in der Zucht stehen. Zum ersten Mal dabei war Beni Schenk, Oberhofen. «Ich habe keine Ambitionen, ich bin vor allem wegen des Zusammengehörigkeitsgefühls hier», meinte er. Für Adrian Ritzmann war die Teilnahme eher Routine. «Ich will dazu beitragen, dass die Tradition der Viehschau aufrechterhalten wird», so sein Argument. Werner Meier senior, aus Tolhausen seinerseits war ebenfalls zum ersten Mal dabei. «Die Motivation ist, zu sehen, wo man steht und zu zeigen, dass man als Landwirt mit Freude wirkt», argumentierte er.

Das konnten die Zuschauer im Verlaufe der Viehschau immer wieder sehen. Zu insgesamt zwölf Bewertungen wurden die Kühe in den Ring geführt. Zuvor hatte Martin Gaffner aus den in den Reihen stehenden Kühen schon eine Wahl getroffen. Während diese Tiere, die sich oft sträubten und zur Belustigung im Publikum beitrugen, vorgeführt wurden, nahm er mit geübtem Auge weitere Beurteilungen vor. Grundsätzlich sind Euter und Fundament wichtig für die Wirtschaftlichkeit. Oft waren es nur feine Nuancen, die am Ende zu einer besseren Bewertung führten.

Die Siegerin jeder Kategorie durfte am Ende zur Misswahl antreten. Von den fünf Anwärterinnen gewann «Hanuschka» aus dem Stall von Felix Stahel, Neubrunn. «Ihr ganzer Körperbau ist sauber», lobte der Experte. Interessant für die ZuschauerInnen war auch die Schöneuter-Beurteilung. Hier konnten die Bauern selber entscheiden, wen sie zur Wahl bringen wollten. Es gewannen «Urania» von Andreas Lüscher, Ober-hofen (3. Laktation) und «Panama» von Andreas Bärtschi, Neubrunn (2. Laktation). «Granade» von Fredy Haubenschmid, Tablat, erhielt den Preis für die höchste Lebensleistung (knapp 120’000 Liter). Die Glocken als Wanderpreise dürften nun wohl während eines Jahres als sichtbares Zeichen einen festen Platz auf dem Hof haben.

Froher Blick in die Zukunft 

Für einen wirklich goldigen Schlusspunkt sorgte die ausser Konkurrenz laufende Präsentation von Kälbern durch die Kinder der jeweiligen Bauernfamilie. Das Publikum war hin und weg. Walter Fehr entpuppte sich als geduldiger Moderator, der Kinder interviewte. Diese brillierten mit Gedichten oder kurzen Antworten. Besser hätte die Viehschau in Neubrunn nicht enden können. Das war in der Tat gelebtes Brauchtum vereint mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft.