30 Jahre jung: Das Pflegezentrum Im Spiegel feierte

Zum 30-jährigen Jubiläum schenkt die Spitex Zell dem «Spiegel» einen Brunnen mit Wasserspiel, welcher vom Präsidenten der Baukommission, Bruno Ruppli, «ausgepackt» wird (Foto: lk)

Mit kurzweiligen Ansprachen, einheimischer Musik, gemütlichem Mittagessen und der feierlichen Einweihung des Brunnens der Spitex Zell im Demenzgarten wurde das 30-Jahr-Jubiläum des Pflegezentrums Im Spiegel in Rikon gefeiert. 

Im öffentlichen Garten war ein kleiner Parcours aufgebaut: Gefragt waren die Geschicklichkeit beim Ballwerfen auf Büchsen oder auf eine Torwand, feines Fingergespür beim Griff in den Sack zum Erspüren, was da drin sei und aufmerksames Beobachten beim Gedächtnistraining. Der Eingangsbereich vor dem Pflegezentrum Im Spiegel war mit Tischen und Sonnenschirmen übersät, was das 30-Jahr-Jubiläum feierlich ankündete und wo sich die Festgemeinde am Samstag schliesslich gemütlich niederliess. Das leckere Salatbuffet, die duftenden Fleischwaren auf dem Grill und das schmackhafte Dessertbuffet sorgten für den kulinarischen Genuss.

Einweihung des Brunnens im Demenzgarten

Die Spitex Zell hat aus ihren Legaten eine Spende von 50’000 Franken gesprochen, einerseits für den Brunnen mit Wasserspiel im Demenzgarten sowie für weitere Verschönerungen im öffentlichen Garten im Eingangsbereich des «Spiegels». Der Brunnen wurde anlässlich des Jubiläums nun offiziell eingeweiht. 

Nach einer kurzen Ansprache von Marcus Naegeli, dem ehemaligen Präsidenten der Spitex Zell, durfte der Präsident der Baukommission, Bruno Ruppli, die Schleife des Brunnens entfernen und als Erster auf den Knopf des Wasserspiels drücken. Der Brunnen ist ein versteinerter Baum – mit all seinen Ecken, Kanten und Flächen so vielschichtig wie die Menschen, die im Pflegezentrum Im Spiegel wohnen und arbeiten.

Den Reigen der Ansprachen durfte natürlich Yvonne Fehlmann, Geschäftsführerin der Pflegezentren Tösstal, eröffnen: «Ein Ort zum Wohlfühlen mit dem damals revolutionären Wohngruppen-System wur-de vor 30 Jahren eröffnet. Nach der sanften Renovation im letzten Jahr ist der ‹Spiegel› für die Zukunft gewappnet und bietet den BewohnerInnen ein gemütliches Zuhause.»

Erich Pfäffli, der scheidende Präsident der Betriebskommission, betonte, wie wichtig gut ausgebildetes und motiviertes Personal ist. Und fragte, was ein neues Haus ohne BewohnerInnen oder ohne Pflegende nütze. Für die Bewältigung der künftigen Anforderungen brauche es stabile Strukturen, gute strategische Voraussicht, im Betrieb gute und engagierte Vorgesetzte sowie ein motiviertes Mitarbeiterteam. Ebenso eine weiterhin gelebte Solidarität unter den Zweckverbandsgemeinden Turbenthal, Wila, Wildberg und Zell.

24’000 Personen mit Demenz

Der scheidende Zeller Gemeindepräsident Martin Lüdin umschrieb seine Rede über die Jubiläums-Geschichte des Pflegezentrums mit einem Zitat von Franz Kafka: «Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.» Die Rahmenbedingungen für die Heime hätten sich in den letzten 30 Jahren verändert, die Menschen würden älter und rüstiger, blieben dank der Spitex länger in ihrem Daheim und seien somit beim Eintritt häufig pflegebedürftig. Lüdin fragte, welche Wege wohl in Zukunft gegangen werden. In Japan seien schon Roboter im Einsatz, die Patienten hochheben oder ihnen ins Bett helfen, essen und trinken bringen oder mit Musik unterhalten. Ob und wann dies auch in der Schweiz Einzug halten werde – Veränderungen würden aufgrund des Fachkräftemangels nötig sein – ob mit oder ohne Roboter: «Ich bin dankbar, dass wir in den beiden Pflegezentren umsichtige und verständnisvolle Mitarbeitende und Kaderleute haben, die sich mit Hingabe und Aufopferung engagieren und den ihnen anvertrauten Menschen Würde und Achtung entgegenbringen», schloss Martin Lüdin seine vielschichtige Rede.

Yvonne Fehlmann ergänzte: «Bereits haben wir eine kleine Roboter-Robbe im Einsatz, die schon wertvolle Dienste geleistet hat zur Beruhigung der Menschen – einfach auf den Arm legen und streicheln lassen. Demnächst kommt eine elektrische Katze dazu.» Dr. Jürg Schmid, Präsident der Alzheimervereinigung des Kantons Zürich, lobte die liebevoll und zweckdienlich eingerichtete Demenz-Abteilung mit dem praktischen Garten. Er entbot seinen Respekt für die wertvolle Arbeit aller Beteiligten, vom Pflegepersonal, über die Reinigungskräfte bis zum technischen Dienst und der Küche, um den BewohnerInnen ein sicheres, schönes und lebenswertes Zuhause zu bieten.

«Wie sind wir, die Gesellschaft, auf die dementen Menschen vorbereitet?», fragt er. Wie reagiere der Buschauffeur, wenn jemand leicht verwirrt mit dem Pyjama in den Bus einsteige? Oder wie sind wir selber achtsam und aufmerksam und bemerken, dass jemand unsere Hilfe brauchen könnte? Rund 24’000 Menschen im Kanton Zürich leben aktuell mit der Diagnose einer dementen Erkrankung, jeder Verlauf ist anders, jeder Mensch hat eine eigene Vergangenheit, in die er immer mehr eintaucht und sein Leben (und das der Angehörigen) verändert.

Unter den farbenfrohen Sonnenschirmen wurde der Nachmittag draussen noch genossen und ausgiebig über dieses und jenes diskutiert.