… aber eigentlich müsste ich …

«Ja, mir gahts eigentli guet, aber ich has ächli sträng. Ich muäs no so viel machä.»

Kennen Sie das? Eine Antwort, die man oft so oder mit ähnlichem Inhalt auf die Frage, wie es denn so geht, zur Antwort bekommt. Haben Sie sich schon einmal überlegt, was diese Antwort bedeutet? Zwischen den Zeilen? Was steckt in diesen Worten? Prinzipiell glaube ich, dass das nicht einmal eine Antwort ist. Sondern Chabis.

«Aber», «eigentlich» und «müssen». Drei Worte, die, verzeihen Sie mir, absolut bescheuert und nichtssagend sind. Und doch verwenden wir sie
alle täglich und ohne darüber nachzudenken.

Ich ertappe mich immer wieder dabei. Das Wörtchen «aber» schleicht sich in meinen Wortschatz und verleiht allem, einen für mich komischen, Nachgeschmack. Zägg, habe ich es gesagt und realisiere es erst danach. Der Mund scheint schneller als das Hirni. Jä nu, denke ich. Ich achte mich einfach mehr darauf. Weil eigentlich kann ich es ja … Und schon ist es da. Das nächste, unmögliche Wort. «Eigentlich» macht alles, was danach kommt, zunichte. Es widerlegt alles, was nachher gesagt wird. Eigentlich sollte man das ja wissen. Und doch kommt es immer und immer wieder aus aller Munde. Eigentlich wollte ich … eigentlich hätte ich … eigentlich sollte ich …

Man müsste sich mehr achten. «Müssen» – auch dieses Wort würde ich gerne aus meinem Wortschatz streichen. Ich muss nämlich überhaupt nichts ausser sterben. Einen Ersatz für diese Wörter zu finden, ist gar nicht so einfach. Gerne ersetze ich «müssen» durch «dürfen». Ich darf arbeiten und ich bin glücklich darüber. Ich darf zur Schule und mich weiterbilden. Ich darf essen. Schlafen. Rechnungen bezahlen. Ok, irgendwo hat es dann eben doch Grenzen. «Aber» kann man gut durch «nur» ersetzen. Damit tönt alles schon viel bewusster und nicht mehr so belanglos. Fühlt sich gesprochen noch ein wenig ungewohnt an. Aber (da ist es wieder) man kann sich daran gewöhnen.

Manchmal frage ich mich, ob uns überhaupt bewusst ist, was für eine Macht solche Worte haben. Nein, ich möchte nicht Tüpflischeissen. Ich achte mich nur gerne auf die vermeintlich kleinen Dinge im Leben. Ich bin überzeugt, dass Worte eine grosse Macht haben und sich in unseren Köpfen einbrennen. Überlegen Sie mal: Sie müssen zur Arbeit. Das tönt doch schon so grässlich. Für mich hat das etwas Abschreckendes. Auch etwas, das nicht wertschätzt. Ich denke da an alle, die gerne arbeiten würden, es aber nicht können – aus welchen Gründen auch immer. Ich denke dabei aber auch an mich. Es stresst mich, wenn ich denke, dass ich muss. Ich möchte nicht müssen. Ich möchte wollen, können und dürfen. Das macht mich glücklicher und zufriedener und ich fühle mich nicht gestresst, wenn ich darf, kann und will. Aber eben …

So einfach ist es dann doch nicht. Ich möchte ja auch nicht permanent mein Gehirn auf «Achtung» geschaltet haben. Ich möchte eigentlich vieles anders machen, aber es muss wohl noch ein Wunder geschehen, dass ich das schaffe. (Haben Sie es bemerkt?) So schnell sind diese Worte gesagt. Man merkt es gar nicht, ausser man achtet sich mal wirklich darauf. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich mich beinahe erschrecke, wenn es mir über die Lippen kommt. Gut so, denke ich dann, und muss ob der Strenge zu mir selbst schmunzeln. Es schadet nicht, wenn man sich vor dem Sprechen ein paar Gedanken macht.

Die Macht der Worte ist offensichtlich nicht zu unterschätzen. Gesagtes, Geschriebenes, Gedachtes kann schwer in der Luft liegen oder sich leicht anfühlen. Es kann sich beim Gegenüber einbrennen, weh tun. Oder Freude bereiten. Auch bei sich selbst machen die Worte viel aus.

«Jaja, s gaht guet, aber halt dä Stress immer» – Ich frage mich gerne, wieso ich überhaupt solche Dinge von mir gebe. Wäre es nicht besser und einfacher, einen Weg zu finden aus dem Stress, anstatt immer noch zu betonen, dass man welchen hat? Was will man damit sagen? Zeigen, dass man wahnsinnig fleissig ist? Eigentlich einfach sich zu achten, gälläd Sie, aber man müsste es halt machen. Eben … Wir sind gerne bequem und festgefahren und sagen es immer und immer wieder.

Konfuzius wagte gar zu sagen: «Wer die Macht der Wörter nicht kennt, kann auch die Menschen nicht kennen.» – Oder sich selber nicht.

Wer meine Standpunkte regelmässig liest, weiss, dass ich versuche sehr bewusst zu leben und mich nicht leben zu lassen. Mit den Worten geht es mir genauso. Ich bemühe mich, bewusst zu sprechen und zu schreiben. Versuche zu fühlen, was das Gesagte mit sich trägt, beim Gegenüber bewirkt, in mir auslöst. Ich überlege mir gerne, was ich zwischen den Zeilen sage. Immer gelingt mir das nicht. Ich kann auch labern ohne Punkt und ohne Komma. Bei einem Kafi mit meinen Freundinnen, beim unbeschwerten Zusammensein mit meinen Kindern oder auch einfach mal so. Und so ist es gut, dass die Zeilenzahl der Standpunkte beschränkt ist. Weil eigentlich möchte ich ja noch mehr dazu schreiben, muss jetzt aber aufhören. Oder, wie ich es lieber formuliere: Danke, dass Sie mich gelesen haben.